Was für ein grossartiger, hochstehender Weinabend. Burgunder vom Feinsten – allen vielen Dank für diese tollen Pinot-Tropfen!
Getrunkene Weine:
1988 Chambolle-Musigny, André Renaud: Chambolle-Musigny auf Abwegen: Wermut im Glas, Liebstöckel im Gepäck. Die Oxidation schreibt das Schlussgedicht. Leider ohne Happy End.
2023 Chambolle-Musigny Premier Cru, Domaine Gille: Rotbeerig, glasklar und mineralisch auf Zack. Aromatisch eine Punktlandung, in der Tiefe leider etwas kurz gesprungen.
2020 Clos Vougeot Grand Cru, Domaine Forey Père & Fils: Zimtzwetschgen, dunkle Frucht, Fleisch am Knochen und ein Hauch Rauch. Kräftig, würzig, mit einem Finale in Überlänge – unbekannter Produzent, neuer Eintrag auf der Wishlist. So fängt eine Affäre an.
2015 Clos de Vougeot Grand Cru, Domaine François Lamarche: Erst Stallknecht, dann Hochadel: reduktiv und leicht sprudelig gestartet, über Mineralik und rote Kirsche in den Fürstenstand aufgestiegen. Am Ende sitzt die Krone. Clos de Vougeot mit märchenhafter Karriere.
2009 Clos-de-Vougeot Grand Cru, Domaine du Clos Frantin (Albert Bichot): Blutorange und Kirsche bleiben Andeutungen, Tomatenmark mischt sich ein. Am Gaumen eher kantig, im Finale fehlt etwas der lange Atem – ein Grand Cru, der nicht alles ausspielt.
2000 Clos-de-Vougeot Grand Cru, Coron Père & Fils: Leder, Tabak, Kaffee, Wildbret und Blutorange am Reifepunkt – der Wald liefert den Rest. Im Finale übernehmen die Kiefernadeln und bleiben länger als die Jagdgesellschaft.
2014 Clos-Vougeot Grand Cru Le Grand Maupertui, Domaine Anne Gros: Dunkle Kirsche im Rauchverbot, Würze auf Anschlag, Grip wie Schmirgelpapier in Seide. Noch jung, aber schon ein Schwergewicht – meine Lieblings-Anne hat den Clos Vougeot nicht gelesen, sondern gemeisselt.
2013 Chambolle-Musigny, Domaine Arnoux-Lachaux: Rote Frucht im Seidenhemd, darunter Muskeln und ein Hauch Stallgeflüster. Griffig bis in die letzte Kurve – und das Finale hat mehr Ausdauer als mancher Marathonläufer.
2015 Chambolle-Musigny, Domaine Arnoux-Lachaux: Erst muffelt der Wein wie eine vergessene Pappschachtel, dann dreht er völlig auf: dunkle Frucht, Blutorange und Animalik. Samtige Tannine, endloses Finale – vom Altpapier zum Hochadel in Rekordzeit.
2016 Chambolle-Musigny Premier Cru Les Feusselottes, Lucien le Moine: Balsam für die Nase, Seide am Gaumen: Kirsche, Blutorange und edles Holz, dazu ein Hauch Reduktion und Mineralik. Chambolle im Abendkleid – mit Kirschenduft bis weit hinter den Vorhang.
Info: Nach den Ferien, am 22. Oktober ist das Thema Burgund: Wir besuchen die herrlichen Lagen von Chambolle und Vougeot. Dieser Anlass wird nur für Teilnehmer sein, die auch einen Chambolle-Musigny oder Vougeot mitbringen – es bleibt also Zeit für die Beschaffung 😉