Donnerstag, 23. Januar 2020: SWISS MADE!

Wieso denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt?! Vive la Suisse, willkommen in der Schweiz – nur die Bündner Herrschaft sowie das Tessin bleiben für einmal ausgesperrt, die hatten wir schon des öftern. Aber: Schaffhausen, Zürich, Thurgau, St. Gallen, Aargau, Bern, Neuenburg, Jura, Waadt, Wallis, Genf – wer hat was?

Wir freuen uns auf viel Swissness – proscht und bis am Donschtig!

Wetten, dass wir diesen Donnerstag einige dieser Weine trinken werden?

Donnerstag, 16. Januar 2020: Reif ist geil!

Fazit des Abends: Reif IST geil…

Getrunkene Weine:

Beaujolais Blanc 1992, Jacques Dépagneux (Frankreich): Mandelnote, Pinienkern, doch recht mostig, Baumnussglace. Die freche Säure hat diesen Wein am Leben erhalten.

Chateau Musar blanc 1999 (Libanon): Leichter Kellermuff, der auch nach gehöriger Belüftung nicht weggeht. Definitv nicht die beste Flasche, da hatten wir schon viel bessere 99er.

Nach dem eher harzigen Einstieg dann zwei grundverschiedene Sauvignon Blancs, die beide auf ihre Art voll überzeugten:

Sancerre Montée de Bouffant 1996, Reverdy Ducroux (Frankreich, Loire): Holunder, Schlüsselblumen, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Melonen. Mann ist das schööööön! Bestens integrierte Säure, langes Finale.

Sauvignon Blanc 1994 Margaret River, Cullen (Australien): Fast nicht zu glauben, aber dieser Fettsack hat die 25 Jahre locker überstanden – und wie! Buttermödeli, Saft aus der Ananasdose, Banane, karamellisierte Ananas, oberste Schicht von Creme Catalan. Knackige Säure – auch hier der Trumph, der diesen Wein am Leben liess. Toll!

Viña Pedrosa Reserva 1996, Bodegas Hnos. Pérez Pascuas (Spanien, Ribera del Duero): Dichter, wunderschön gereifter Vertreter aus Spanien! Schwarze Beeren, Orangenzeste, fein saftig, am Gaumen sanft, überaus langes Finale. Wunderbar!

Pommard 1er Cru Agrillères 1985, Olivier Leglise (Frankreich, Burgund): Leicht animalisch, laktisch, reif, Blutorangenhaut, sandige Tannine, gute Zitrussäure.

Mercurey 1988, Bouchot-Ludot (Frankreich, Burgund): Magenbrot, Tonerdemineralität, Bärendreck, Tee. Nagelfluhtannine, eher kurzer Abgang. Es fehlt etwas an Ausstrahlung.

Pinotage 2000, Longridge (Südafrika): Toastig, Teak, Teer, fermentierte Baumnüsse, Speck. Etwas gar viel Holz, aber überaus spannend.

Seven Acre Shiraz 1998, Greenock Creek (Australien, Barossa): PLUMERIA! Leder, Blut von Nasenbluten, dunkle Schokolade, angesengtes Fleisch, Palmzuckermelasse, Süssholz, Schwarztee, Blutorangen, Eisenhütte etc etc etc etc etc etc – mit einem Wort: GEIL!

Vino Añejo aus dem 19. Jahrhundert, Tio Manuel para Dolores, Manuel Moneva e Hijos (Spanien, Cariñena): 100% Grenache, 18% vol., über hundert Jahre in Eichenfässern gelagert. Offenbar nicht aufgespritet. Verrückt! Blind vorserviert hätte wohl niemand auf Rotwein getippt! Brot, Korn, Baumnuss, Karamell, schwarze Schokolade. Am Gaumen wie ein edler Kirsch aus schwarzen Bergkirschen, etwas Honig, ölige Textur – etwas vom Verrücktesten, das wir je in unserem Weinclub hatten – vielen Dank, Raymond, für diese Rarität!

Madeira Malmsey 1975, Blandy’s (Portugal): Fermentierte schwarze Baumnüsse, Aether, Toffee, feine Süsse, taffe Säure, unglaublich Druck.

Riesling Auslese Münsterer Dautenpflänzer 1971 (Deutschland, Nahe): Warmes Apfelmus, Apfelkerngehäuse, gedörrte Aprikosen, Korinthennote. Toller Abschluss eines unglaublich abwechslungsreichen Abends – vielen Dank allen!

Donnerstag, 9. Januar 2020: Mein Wein 2019

Getrunkene Weine:

Riesling Kabinett Brauneberger Juffer 2018, Fritz Haag (Deutschland): Leichtfüssig und bekömmlich, schönes Süss-Säurespiel, saftige Weinbergspfirsiche, Stachelbeeren – der Einstieg in einen langen Abend könnte nicht besser sein!

Moscatel Casa Agricola Pureza 2016, Pepe Mendoza (Spanien): Ein mehrheitsfähiger Orange Wine mit unglaublich facettenreichen Aromen (Rosen, Dörrorange, Birnen). Minziger, trockener Abgang.

Klettgau Amphore 2017, Markus Ruch (Schweiz): Da spalten sich natürlich die Weinclubgeister – ist auch richtig so! Langweilige Weine sind der Tod aller Degustationen! Müller-Thurgau aus der Terracotta-Amphore.

Ambassadeur des Domaines de Diego Mathier 2015 (Schweiz): Heida, Ermitage und Petite Arvine. Vollmundig, cremig, perfekt vinifiziert, das beruhigt die Antiamphoraner wieder – jetzt kann’s mit den Roten losgehen!

Denkste – da kommt doch tatsächlich noch ein Rosé! Aber was für einer!

Viña Tondonia Rosado Gran Reserva 2008, López de Heredia (Spanien): Vergiss alles, was du dir in Sachen Rosé schon mal angetan hast – dieser Rosé ist wie von einem andern Stern! Sowohl weisse wie rote Trauben werden verwendet. Magisch!

Sota els Angels 2008 (Spanien, Empordá): Spannender Blend aus Cabernet Sauvignon, Carinena und Carménère. Kirschen- und Brombeerenfrucht, wenig Peperoni, würzig. Am Gaumen ausgewogen, mit guter Länge.

Barrua 2011, Punica (Italien, Sardinien): Zur Hauptsache Carignano, mit wenig Cabernet Sauvignon und Merlot. Zu Beginn leicht zurückhaltend. Recht dicht, etwas gar viel Karamelltöne, dazu aber feiner Tabak. Am Gaumen rund.

Fixin Premier Cru Les Arvelets 2015, Berthaut-Gerbet (Frankreich, Burgund): Würzig, balsamisch, mit roter Beerenfrucht, sehr viel Druck am Gaumen, gute Länge. Das Erstaunliche: sogar die Anti-Pinotfraktion applaudiert und ist begeistert!

Saint-Joseph 2014, Domaine Jean-Louis Chave (Frankreich, Rhône Nord): Noch blutjung. Animalisch, Blut, fleischig. Verwirrend leichte Kohlnoten. Würziger, recht langer Abgang.

Planetes de Nin 2016, Nin-Ortiz (Spanien, Priorat): Rauch, Lakritze, erstaunlich mineralisch. Eigenwillig und spannend!

Gigondas 2017, Château de Saint Cosme (Frankreich, Rhône Süd): Hart an der Grenze zum Ueberholztsein. Die Eiche dominiert die Frucht völlig. Der Wein ist natürlich viel zu jung – da ältere Jahrgänge sowas von schön sind, hoffen wir auch bei diesem Jahrgang auf eine gute Entwicklung!

Ornellaia 1995, Tenuta dell’Ornellaia (Italien, Toskana): Reif, aber noch sooo schön zu trinken: Zedernholz, Lakritz, kalte Asche, am Gaumen schmeichlerisch weich, rund, sehr, sehr lang.

Red Scorpion (Batonnage) 2016, Wild Boys (Oesterreich): Powernase, das prasselt an Düften nur so auf einen herab. Leider völlig unharmonisch am Gaumen, sperrig, adstringierend, grün. Mal fünf Jahre weglegen und hoffen.

Coteaux du Layon 1976, Domaine des Petits Quarts (Frankreich, Loire): Apfelstrudel, Grüntee, getrockneteter Usterapfel, Marzipan, Kandiszucker. Kurz: feiner reifer Süsswein von der Loire.

Riesling Auslese Graacher Himmelreich 2001, J.J. Prüm (Deutschland, Mosel): Wenig Petrol, braucht viel Luft, wirkt etwas in sich gekehrt. Grüntee, Limettentöne, herrliche 01er Säure.

Riesling Beerenauslese Uerziger Würzgarten 2009, Erbes (Deutschland, Mosel): Süsser Nektar zum Abschluss eines grandiosen Abends – vielen Dank an Alle! So kann’s weitergehen… 🙂