Donnerstag, 16. Mai 2019: Anniversary – eine Reise mit Syrah/Shiraz

Wow, das war vielleicht ein toller, abwechslungsreicher Abend! Vielen Dank, Andy, für die Reise durch die Welt der Shiraz/Syrah!

Getrunkene Weine:

– Blanc de Blancs Brut Champagne Cramant Grand Cru, Guy Larmandier: Zum Anstossen ein superfeiner Champagner, der mit seiner frischen Säure und der feinen Perlage beeindruckt.

– Tandem Syrah du Maroc 2015, Domaine des Ouled Thaleb (Marokko): Spassiger Start – wer kommt bei einer Blinddegu schon auf Marokko… Balsamisch, Teer, eher rotbeerige Frucht, spannendes Terroir.

– Kaid Syrah 2014, Alessandro di Camporeale (Sizilien, Italien): Wieder eine schwierige Aufgabe! Sehr fruchtiger Syrah, kräutrig, laktisch, angenehm am Gaumen.

– Scali Syrah 2005, Scali (Südafrika): Rauchig, ätherisch, facettenreiche Nase, schwarze Schokolade, Johannisbeeren, pfeffriges langes Finale.

– The Struie Shiraz 2013, Torbreck (Barossa, Australien): Erdige Noten, pralle Brombeeren, Kaffee. Am Gaumen viel Alkohol, die Tannine sind etwas hart, endet leicht bitter. Schwierige Phase, schlechte Flasche oder Jahrgangsproblem?

– Exile Shiraz 2004, The Colonial Estate (Barossa, Australien): Barossapower, üppig, aber nicht plump, Plumeria, Blut, Oliven, da würde man am liebsten drin baden! Rund und süssliches Finale. Dekadent, aber geil!

– Syrah Qwam Qwmt 2014, Nk’Mip Cellars (Okanagan Valley, Kanada): Unterholz, Leder, schwarze Beeren, Banago. Die Tannine sind nicht ganz sauber integriert, der Abgang ist mittellang.

– The Pundit Syrah 2014, Tenet Wines (Château Ste. Michelle), Columbian Valley, USA): Mundfüllend, schwarzbeerige Frucht, etwas Kakao, Rauch. Interessant mineralisch, trotz der Ueppigkeit nicht langweilig.

– Syrah No 2 Gold Serie 2011, Lillian (Kalifornien, USA): Wow, was für ein toller Wein! Zitrusnoten, Zimt, Süssholz, frischer Tabak. Stundenlang könnte man da dran rumriechen! Am Gaumen vielschichtig, wirklich komplex, sehr, sehr langes Finale. Toll!

– Folly Syrah 2013, Montes (Colchagua Valley, Chile): Cassis, Cassis und nochmals Cassis! Dahinter Rauchnoten, dunkle Schokolade, am Gaumen kräftig, noch jung wirkend, hat sehr viel Druck und eine gute Länge.

– Cem Reis Syrah Reserva 2014, Maroteira Vinhos (Alentejo, Portugal): Vielschichtiges Bukett, hoch interessant, niemand wäre auf Portugal gekommen… Brombeeren, Terroir, griffige, aber gut eingebundene Tannine. Essenswein!

– Côte-Rôtie 2014, Les Terriens (nördliche Rhône, Frankreich): Leichte Animalik, Blut, kühle Eleganz. Blutjung, am Gaumen zupackend, mittellang.

– Syrah Encre de la Terre 2014, Claudy Clavien (Wallis, Schweiz): Brotrinde, getoastes Holz. Das Holz dominiert, da muss man noch warten. Dunkelbeerige Frucht, würzig. Am Gaumen konzentriert, griffige Tannine, Abgang etwas rauh. Definitiv zu jung.

Andy’s Reiseplan durch die Syrah-Welt:

Donnerstag, 9. Mai 2019: Weinbaugebiete Italiens – Abruzzen

Getrunkene Weine – jupiiih – es war kein Vino Nobile di Montepulciano dabei…:

– Brilla Cococciola 2013, Marchesi de Cordano: 100% Cococciola. Schweflig, noch wenige Zitrusnoten. War jünger sicher mal knackig frisch, aber dank der guten Säurestruktur auch heute noch durchaus trinkbar.

– Aida Trebbiano d’Abruzzo 2013, Marchesi de Cordano: Vanille, Toast, Schminkpuder, Zitrusnoten. Am Gaumen ist die Kraft leider raus, wirkt lasch.

– Cerasuolo d’Abruzzo Myosotis 2016, Zaccagnini: Kein Abruzzenabend ohne einen Cerasuolo! Himbeersprudel, wirkt fast klebrig, sehr einfach.

– Montepulciano d’Abruzzo Chronicon 2013, Zaccagnini: Laktisch, schwarze Beeren, würzig, hat gut gehalten. Easy drinking, und das ist nicht despektierlich gemeint.

– Aida Montepulciano d’Abruzzo 2011, Marchesi de Cordano: Nasse Wolle, leicht grün, unharmonisch und zudem mit zuviel Kohlensäure. Endet leicht bitter.

– Montepulciano d’Abruzzo Rosso del Duca 2012, Villa Medoro: Laktisch, schwarze Früchte, Gabazältli, im Mund leicht bissig, sprudelig.

– Montepulciano d’Abruzzo Zanna Riserva 2011, Illuminati: Schwarze Beeren, sehr würzig, Gabazältli, am Gaumen fleischig, hat Struktur und Biss.

– Montepulciano d’Abruzzo Trinita‘ Riserva 2008, Marchesi de Cordano: Magginoten, wirkt sehr modern, über dem Zenith.

– Marina Cvetic 2003, Masciarelli: Leider zuviel Streumi, die Altersnoten dominieren. Wäre von der Struktur her ein toller Wein (gewesen).

– Santinumi Riserva 2008, Marchesi de Cordano: Leider auch hier: Streumi, Spagehtisauce, Lakritz. Zu alt.

– Villa Gemma 2004, Masciarelli: Spiel mir das Lied vom Tod – äh Streumi. Leider auch hier. War mal traumhaft gut, jetzt zwar noch trinkbar, aber mit deutlichen Altersnoten.

– Marina Cvetic 2008, Masciarelli: Schwarze Kirschen, sehr würzig, kräftig, auch am Gaumen sehr kräftig, tanninbeladen, es ächzen die Zahnhälse. Wird dieses Monster mal runder?

Und zum Schluss aus Marcels Süssweinkiste ein feiner Schlummi:

– Pinot Gris Séléction de Grains Nobles 2009, Weinbach (Elsass): Extrem schönes Süss-Säurespiel, das fliesst wie Honig über die Zunge – lecker!

Donnerstag, 2. Mai 2019: Serie Bordeaux – Pomerol

Getrunkene Weine:

– Chantegrive Blanc 1981: Zwar ein Weisser aus Graves – aber wo lässt sich auf die Schnelle ein weisser Pomerol hernehmen? Fonduekruste, gebrannte Mandeln, apfelig – klingt etwas despektierlich, der Wein war aber durchaus noch trinkbar und strahlte eine Lebensfreude aus, die den 81ern offensichtlich in die Wiege gelegt wurde – gell, Marcel?

– Gazin 1997: Beginnt grün, hört grün auf, dazwischen Waldboden, Teer, kräutrig, Lakritze. Sehr schlanker Körper, am Gaumen auch noch bitter – kurz zusammengefasst: enttäuschend.

– Mazeyres 2001: Modrige Holznoten, ansonsten sehr verschlossen, leicht auszehrend. Vielleicht eine unsaubere Flasche? Ganz zu Beginn tippten einige sogar auf Kork.

– La Violette 1985: Rote Kirschen, Teer, Aufschnitt, Pfeffer. Ist das wirklich Bordeaux? Exotisch! Kaffeenoten und Lakritz, am Gaumen rund, endet ganz am Schluss leicht metallisch.

– Beauregard 1985: Irritierend trübe Farbe. Feuchter Kellerboden, etwas Tabak, am Gaumen dann das pure Gegenteil: saftig, druckvoll – und vor allem klassisch Bordeaux!

– Bourgneuf 1995: Lakritsch, leicht animalisch, am Gaumen scharfe Säure, grüne Noten dazu.

– La Pointe 1998: Waldboden, laktisch, Thymian, spanische Nüssli. Kräutermischung. Am Gaumen kräftig, schön ausgereift – richtig gut!

– Vieux Château Certan 1995: Würzig, Rauchfleisch, Leder, vielfältige, feine Nase! Am Gaumen rund, fast schon feingliedrig, geschmeidig.

– Petit-Village 1998: Reife, wunderschöne Nase – kann nur Bordeaux sein! Rauchspeck, mineralisch, Leder, Espresso, sehr lebendig! Am Gaumen mit kräftiger Säure, endet sehr lang, aber auch ganz leicht trocken. Dennoch: grosser Wein!

– de Rayne Vigneau 1995: Safran – Safran – Safran. Getrocknete Aprikosen gucken ängstlich zwischen den Safranwolken hervor, am Gaumen bäumt sich die Säure auf, dann wird man wieder zugedeckt mit Safran, Safran, Safran. Die Todesstrafe, wer Safran nicht mag.