Getrunkene Weine:
2018 Crémant du Jura blanc brut Montboisie, Fruitière Vinicole d’Arbois:
Ein Blütenstrauss mit Tropenurlaub, der so heftig im Näschen kitzelt, dass man kurz „Allergie?“ denkt. Am Gaumen dann eher Dessertdate als Frischekick – eindeutig auf der zu süssen Seite der Versuchung.
2020 Pinot Noir Les Ratenets, Domaine Ruedin (Neuenburg, Schweiz):
Seit Tatasciore hier zaubert (2020 erstmals Chef im Weinberg), gibt’s Pinot mit Fruchtsüsse, Zimt und ordentlich Hüftschwung. Trinkt sich schneller weg, als man „Ratenets“ lallen kann.
2018 Pinot Noir Collection Signature Elevé en Barrique, Bouvet-Jabloir (Neuenburg, Schweiz):
Üppig, glänzend, poliert wie ein Möbelstück – riecht auch genau so. Dunkle Beeren, Kräuter, fleischiger Gaumen, leicht bitteres Finale. Putzt dir den Mund wie ein Mikrofasertuch.
2018 Côtes du Jura Chardonnay Fut, Fruitière de Voiteur:
Nicht aufgefüllt, nicht geschönt – pur oxidativ. Nussig, medizinal, alles in allem okay, aber ein bisschen eindimensional; etwas mehr Dramaqueen hätte gutgetan.
1975 Château-Chalon 1er Grand Cru des Vins Jaunes, Fruitière de Voiteur.
Brennsprit meets Vanillekipferl – er tanzt kurz auf dem Tisch, klappt dann den Schirm zu und flüstert: „Wer traut sich?“
1998 Arbois Vin Jaune, Domaine Jean-Louis Tissot:
Shiitake kuschelt im Heu, Nüsse und Würze tanzen Limbo – er donnert herein und bleibt ewig, ein komplett durchgeknalltes Wein-Monster.
2012 Arbois Vin Jaune, Rolet Père et Fils:
Kuschelt sich cremig auf die Zunge, zwinkert mit Brioche-Noten und erinnert dabei heimlich an Hunter Valley-Semillon, bevor er warm und vollmundig ausrollt.
2012 Arbois Vin Jaune Arbois, Jacques Puffeney:
Ein Vin Jaune wie ein Apotheken-Konzert mit Walnuss-Soli und einem Hauch Curry-Feuerwerk – betörend anders, berauschend brillant. Mit genialer Säure schiesst das Finale heran wie stehender Applaus nach einer Geschmacksexplosion, die man nie vergisst.
2011 Vin Jaune Arbois Cuvée de la Confrérie, Lucien Aviet et Fils:
Startet mit Curry-, Nuss- und Pilznoten, Karamell und Zitrus – ein Geschmack, der sofort umarmt und nicht mehr loslässt. Enorm salzig, meistert er seine 16 % wie ein Akrobat und rast durchs Finale wie ein Bulldozer auf der Überholspur.
2011 Château-Chalon, Domaine Macle:
Riecht, als hätte sich ein Islay-Whisky heimlich als Château-Chalon verkleidet: Torfrauch, Algen, Salz – meine Güte, das ist Jura auf interstellarem Abweg. Herrlich unvernünftig und so weit weg vom Mainstream, dass der Mainstream höflich um Verzeihung bittet.
2005 Château-Chalon, Domaine Macle:
Harmonisch wie eine Ehe, die seit 60 Jahren streitet und trotzdem hält – dabei so perfekt ausbalanciert wie nur möglich. Mehr Druck als beim ersten Treffen mit den Schwiegereltern und mehr innere Spannung als ein jahrzehntelang gehütetes Familiengeheimnis.
























