Donnerstag, 23. April 2026: Chablis und Cote de Beaune

Getrunkene Weine:

2015 Chablis Grand Cru Les Clos, Domaine des Malandes:
Zitrus und Feuerstein im Gleichgewicht, weisse Blüten treten hinzu, erst leise, dann runder mit gelber Frucht, Vanille im Seitenblick. Cremig am Gaumen, Säure mit Kante und feiner Bitterkeit – zum Glück als Magnum, sonst wäre er zu früh fertig gewesen mit uns.

2023 Puligny-Montrachet, Joseph Pascal:
Candyshop im Anzug – Limette leuchtet, Birne parfümiert, alles sauber, doch die Tiefe bleibt im Urlaub. Am Gaumen kurz beeindruckend, dann schnell verflogen – viel Name im Glas, wenig Nachhall im Kopf.

1994 Chablis, François Martenot:
Crème brûlée küsst Sojasauce, Honig im Halbdunkel, Eistee und ein leicht angeschlagener Apfel. Am Gaumen Karamellköpfli mit Schattenseite: süsses Flüstern, das leise von gestern erzählt.

2008 Chablis Grand Cru Grenouilles, Louis Michel & Fils:
Kaffee im Kreidestaub, Sellerie im Kampf mit Schiesspulver – erst vegetabil und kantig, dann zitrisch, blumig, buttrig: ein Chamäleon mit Nerv und Zug. Am Gaumen schlank und dicht zugleich, Säure mit Strom, nussige Noten im langen Echo.

2014 Chablis Grand Cru Vaudésirs Les Vieilles Vignes, Pascal Bouchard:
Parfüm mit Honigschimmer, Blüte und Zitrus auf kaltem Stein – saftig, präsent, doch leichtfüssig, als würde er sein Gewicht verschweigen. Am Gaumen straff und frisch, Säure schnurgerade, elegant bis zum Schluss.

2017 Chablis, Vincent Dauvissat:
Akazienhonig über Zitrus, Blüten im Fahrtwind – glasklar, straff und mit Druck, als hätte Frische ein Rückgrat. Am Gaumen schneidet die Säure präzise durch gelbe Frucht und Austernschale, seidig und doch zupackend, lang und würzig.

2010 Chablis, Domaine François Raveneau:
Mandarine im Auftakt, Feuerstein knistert – opulent, tropisch angehaucht, Honig und Butter im Gegenlicht. Am Gaumen füllt er alles aus, schmelzig und balsamisch mit scharfer Zitruslinie darunter – gross, harmonisch, fast zu schön, um kurz zu sein.

2023 Savigny Vieilles Vignes, Louis Chenu:
Frische rote Beeren, fast wie ein Cherry-Blossom-Cocktail in der Nase. Dann der Bruch: am Gaumen herb, mit einer unangenehmen Kampfernote, dazu ein Hauch Aceton. Da bleibt man lieber bei der Nase.

2022 Savigny-lès-Beaune Premier Cru Les Peuillets, Château de Meursault: Milchschokolade, Himbeerbonbon, Schwarztee, Kaffee – mehr Kaffeekränzchen als Premier-Cru. Fehlt nur noch ein Stück Kuchen.

2010 Savigny Premier Cru Aux Clous, Domaine d’Ardhuy: Feine Nase mit Waldbeeren, Erde und balsamischen Noten. Am Gaumen unharmonisch, trotzig, kantig – mit auszehrendem Finale.

2021 Corton-Renardes Grand Cru, Domaine Michel Voarick:
Rooibostee, Hagebutte, rote Beeren, ein Hauch Blutorange, Pfeffer im Anschlag, Erde im Spiel – leicht bitter, mit langem, nachhallendem Finale.

2009 Volnay Santenots du Milieu, François Mikulsky:
Kalte Asche, Mineralität, Zimtzwetschgen, Himbeeren – dazu ein Schuss Cola. Fleischig, saftig, präsent. Und dann dieses Finale: so lang, dass Lang Lang vermutlich noch eine Zugabe spielt, bevor es wirklich endet.

Donnerstag Degustation

Donnerstag, 28 Mai 2026 | 19:00 – 22:00

Meinweinkeller – Vinotti, Feldstrasse 16, Winterthur, 8400, Schweiz

Anmeldung möglich ab 21 Mai 2026 19:00.
In unserem Focus waren Jungwinzer aus dem Burgund, zum Beispiel Jungwinzer Martin der über die neuen Chardonnay 2024 berichtet (Martin, Domaine Feuillat-Juillot)

Donnerstag, 9. April 2026: Schweizer Rheintal

Tausend Dank, liebe Brigitte und lieber Benjamin, für diesen Wahnsinns-Abend! Feines Essen, grandiose Wein – alles hat gepasst!

Getrunkene Weine:

2013 Comtes de Champagne Grands Crus Blanc de Blancs, Taittinger:
Dieser Champagner schwebt ins Glas wie ein geschniegelt-verträumter Dandy im Elfenbeinfrack: Frühlingsblumen hauchen ihm Parfum auf den Revers, cremige Fülle legt Samt unter jeden Schritt, und irgendwo knistern Senfkörner wie ein pikantes Geheimnis im Séparée.Das ist keine blosse Harmonie, sondern ein lasziv orchestriertes Stelldichein aus Finesse und Grandezza – schlicht fantastisch, als hätte ein exzentrischer Poet den Frühling verführt und ihn in Perlage abgefüllt.

2021 Saignée, Thomas Studach:
Wer hier nach Komplexität fahndet, sucht in der Boudoir-Kommode nach Philosophie, denn dieser Wein will nicht diskutieren, sondern lieber charmant zwinkern, lasziv schnurren und mit schrulligem Charme direkt ins Herz stolpern – was ihm, bei aller koketten Mühelosigkeit, nicht so recht gelingen will.

2019 Chardonnay, Bovel Daniel & Monika Marugg:
Erst haucht er Vanille und Zuckerbude, als wollte er etwas Verruchtes versprechen, liefert dann aber nur Birne und etwas Alibi-Zitrus. Die überraschende Säure spielt kurz die Domina, doch die mittlere Fülle bleibt brav auf dem Sofa. Hinten etwas Salz, viel Pose – am Ende leider mehr Flirt als Feuer. Ganz nett, aber nichts, wofür man sündigen müsste.

2019 Chardonnay Unique, Donatsch:
Der Chardonnay Unique wirkt wie eine nächtliche Gebirgslandschaft unter Sternenlicht, in der das Gestein zu sprechen beginnt: tief, rein und kühl aufgeladen, würzig-mineralisch bis in die feinsten Verwerfungen. Birne und Zitrone zucken wie elektrische Sternbilder über den Himmel, während ein Hauch Brennnesseltee warm aus einer fernen Berghütte herüberglimmt.

2020 Chardonnay, Thomas Studach:
Buttrige Cremigkeit, reife Frucht und feine Kräuterwürze spielen hier nicht auf dicke Hose, sondern auf lässige Präzision. Alles bleibt geschmeidig, elegant und herrlich unaufgeregt, bis der Wein im Finish plötzlich zeigt, wie lang und souverän er wirklich ist – erst tadellos poliert, dann mit offenem Hemd bis zum Bauchnabel.

2019 Chardonnay, Daniel & Marta Gantenbein:
Gantenbein Chardonnay: eine einzige Hektare Geduld, Kontrolle und stiller Luxus – und glücklich, wer davon ein Fläschchen erwischt. Mineralisch wie ein Chablis mit kaltem Stein im Rücken, dazu diese seidige Meursault-Opulenz in der Frucht, und darüber ein leiser Blumenwind aus der Bündner Herrschaft. Alles perfekt austariert, nichts laut – eher grosse Klasse im Flüsterton als irgendein Spektakel.

2000 Completer, Giani Boner:
Von angeschlagenem Apfel über Sherrynoten bis hin zu Salz – mehr als nur ein Gruss aus dem Vin-Jaune-Paradies des Jura. Die Säure scharf wie ein Schweizer Sackmesser, der salzige Abgang bleibt zurück wie eine ferne Meeresbrise, die sich in die Bündner Berge verirrt hat.

2018 Malanserrebe Completer, Donatsch:
Die Nase zeigt sich anfangs noch etwas zugeknöpft, während es am Gaumen von Beginn weg zu und her geht wie in einem Bienenhaus. Druck wie zehn Kilo Popcorn beim Aufplatzen – und während man noch begeistert über Sinn und Unsinn dieses Gaumendrucks nachdenkt, kehrt auch die Nase aus ihrem Exil zurück und zeigt jene Noten, die es nur im Completer gibt. Welche? Finde es selber heraus.

2018 Churer Completer, von Tscharner:
Riecht floral – Rosenseife könnte ein Volltreffer sein. Aprikosen, frisch gepflückt, Quittenpaste, luftig leicht – bis der Gaumen kommt und dich mit 16% Alkohol erst glauben lässt, das sei alles harmlos, um dich im nächsten Moment mit der Eleganz eines höflichen Vorschlaghammers daran zu erinnern, dass das hier kein Aperitif ist.

2024 Pinot Noir, Bovel Daniel & Monika Marugg:
Dunkle Frucht, Efeuranken, ein leicht bitteres Finale. Eher Plättliwein als Vorzeige-Fläscher.

2019 Pinot Noir Intus, Bovel Daniel & Monika Marugg:
Intus will rein: Kräuter, Süssholz und rote Früchte drängen sich schon in der Nase vor. Am Gaumen dann saftig und erstaunlich zugänglich, bevor er sich im langen Abgang trocken nach innen faltet und dort hartnäckig nachhallt.

2013 Pinot Noir Unique, Donatsch:
Zimt, Orangenabrieb, Leder, Würze, rote und schwarze Beeren – Opulenz küsst Eleganz. Samtiges, ellenlanges Finale. Burgund, nicht Burgund, Burgund, nicht Burgund – egal: so oder so einer dieser Weine, bei denen man vergisst, wo man ist, und nur noch weiss, dass die Schweiz ganz vorne mitspielen kann.

2019 Pinot Noir Unique, Donatsch:
Verführerisch – ein Charmebolzen, der dich erst bezirzt, dann umgarnt und dir am Ende so elegant den Kopf verdreht, dass du ihm fast einen Heiratsantrag machst. Irgendwo zwischen kühler Bündner Luft und warmem Nachhall bleibt nur noch ein entspanntes, stilles Lächeln.

2019 Pinot Noir, Gantenbein:
Aromatische Nase mit viel Holz, feiner roter Beerenfrucht, dunkler Gewürzmischung und einem Hauch Blutorange. Stoffig und präzis, noch ganz am Anfang seiner Trinkreife, mit feinsalzigem Finale und dieser kühlen Ruhe, die nur grosse Pinots ausstrahlen.

2001 Pinot Blanc, Gantenbein:
Ein wunderbar funky Süsswein aus jener kurzen, fast schon vergessenen Zeit, als bei Gantenbein noch Pinot Blanc wuchs. Kandiszucker, Apfelringli und getrocknete Aprikosen ziehen wie Erinnerungen durch den Duft, daneben Eistee, dann plötzlich Mirabellen, als würde irgendwo zwischen spätsommerlichen Rebzeilen noch einmal Licht aufblitzen. Das süsse Finale steht lange am Horizont, warm und golden wie ein Abend, der nicht enden will.

1985 Riesling Eiswein Eitelsbacher Karthäuserhofberg Kronenberg, Karthäuserhof:
Petrol, Pfirsich, Honig – und eine Säure, die der Süsse das Genick bricht und sich so tief in die Zahnhälse frisst, dass sie noch Tage später protestieren.