Donnerstag, 9. November 2017: Etikettentrinker? – mein schönstes Etikett!

Die Siegeretiketten:

1. Saffredi, Fattorio le Pupille, 2. Silhouette, Merryvale, 3. Velvet Glove, Mollydooker

 

1. (40.5 Punkte): Saffredi 2007, Fattoria Le Pupille, Toskana, Italien: Zu Beginn leicht störender Nagellackton. Animalisch, Mokka, dunkle Beeren; am Gaumen recht geschliffen, wirkt sogar modern, aber mit Riesemdruck und langem Abgang. Wirkt für einen Saffredi schon früh trinkreif.

2. (40 Punkte): Chardonnay Silhouette 2014, Merryvale, Kalifornien, USA: Mandarinenzesten, Vanille, Apfel, cremig, erstaunlich vielschichtig – könnte als Top-Meursault 1er durchgehen…

3. (39.5 Punkte): Velvet Glove Shiraz 2007, Mollydooker, McLaren Vale, Australien: Das Flaggschiff von Mollydooker! Dunkelste Schokolade, Bärendreck, Pfeffer, Rauch, öffnet sich an der Luft mehr und mehr. Für die einen fast zuviel des Guten. Was man diesem Wein attestieren muss: er ist alles andere als eindimensional! Einziger Störfaktor der (zu) hohe Alkoholgehalt.

4. (38 Punkte): Botijo Rojo Garnacha Viñas Viejas 2013, Valdejálon, Spanien: Leider leichter Kork. Sehr pflaumig, üppig, am Gaumen nicht bewertbar.

5. (37.5 Punkte): Pedestal Merlot 2006, Long Shadows, Washington State, USA: Da gibt’s zwei Lager! Lager 1 (das Parker-Lager: … excellent aging potential, and a 60-second finish…), Lager 2 (Jancis Robinson-Lager: … I feel a headache coming on!…). Lassen wir es so stehen. Aber mit der Etikette verdient Platz 5, eigentlich hätte er auf Platz 4 gehört, aber das ist wieder ein anderes Thema… 🙂

6. (34.75 Punkte): Plaisir de Merle Cabernet Sauvignon 1998, Paarl, Südafrika: Banane, Cassis, Zedernholz, wow, hat dieser Wein gut gehalten! Fast 20jährig und ein Schmelz am Gaumen, das ruft nach einem zweiten Glas! Wirklich toll!

7. (32.5 Punkte): Riesling Wehlener Sonnenuhr Auslese 2007, J.J. Prüm, Mosel, Deutschland: Im Moment so, wie wenn du durch den Nebel taumelst und nichts siehst. Weglegen und für einige Jahre vergessen. Oder ein paar Tage offen im Kühlschrank stehenlassen. So ist’s bei Prüm. Das wird grosses Kino, garantiert. Ich nahm ganz am Schluss des Abends einen letzten Schluck. Und der war einfach nur geil!

8. (31.75 Punkte): Evel Douro Reserva 2008, Real Companhia Velha, Douro, Portugal: Holunder, würzig, Vanille, eher auf der modernen Seite. Hat Druck am Gaumen.

9. (31.5 Punkte): Expresion 2011, Resalte, Ribera del Duero, Spanien: Noble Nase, Mokka, Kirsch, dahinter aber auch eine feine Mineralität. Voller Körper, langes Finale.

10. (22 Punkte): Mezquiris Crianza 2012, Navarra, Spanien: Unreife Noten, unharmonisch, nicht nur verdienter Etikettenlooser, sondern auch beim Flascheninhalt abgeschlagen auf dem letzten Platz!

 

 

Donnerstag, 2. November 2017: Serie Bordeaux – Château Chasse-Spleen, Vertikale

Getrunkene Weine:

– Chasse-Spleen 1989: Anfangs dominieren Hustensirup und andere eigenartigen Noten, dann jedoch, nach ca drei Stunden, erwacht er zu einem eher maskulinen, mit feinen Leder- und Tabaknoten lockenden Cru Bourgeois!

– Chasse-Spleen 1995: Recht animalisch, Pilznoten, am Gaumen austrocknend und kurz.

– Chasse-Spleen 1996: Braucht unglaublich Luft und entwickelt sich dann nicht schlecht. Ist auf eine positive Art kantig und wirkt ungehobelt, aber am Gaumen zeigt er mehr Harmonie als der bissige 95er.

– Chasse-Spleen 1997: Noch erstaunlich lebendig und attraktiv, hat eine gute Struktur und einen mittellangen, sauberen Abgang. Geht allerdings den umgekehrten Weg wie der 89er und 98er: er zerfällt nach ca einer Stunde!

– Chasse-Spleen 1998: Zu Beginn stört eine unangenehme metallische Note, die sich nach ein paar Stunden aber in Luft aufgelöst hat. Blumig, “warm“, recht kompakt. Wird im Laufe des Abends immer schöner!

– Chasse-Spleen 1999: Recht muskulös, volles Aroma, recht viel Druck, gute Länge.

– Chasse-Spleen 2000: Noch einiges an Frucht, hat recht viel Kraft, im Abgang leider leicht austrocknend. Für einen 2000er dürfte man etwas mehr erwarten.

– Chasse-Spleen 2004: Schwarze Beeren, Karamell, leicht grün, am Gaumen brutal adstringierend, unharmonisch.

– Chasse-Spleen 2006: Erstaunlich viel Kraft, hat Biss, feine Würzigkeit, am Gaumen auf eine gesunde Art kräftig, hat noch sehr viel Potential. Für mich die Ueberraschung des Abends!

– Chasse-Spleen 2008: Zeigt im Moment sehr wenig. Vielleicht macht er sich in zehn Jahren etwas besser?

 

 

Donnerstag, 26. Oktober 2017: Serie Traubensorten – Syrah / Shiraz – Neue Welt

Getrunkene Weine:

– Riesling Clos Häuserer 2009, Domaine Zind Humbrecht (Elsass): Hat zwar nichts mit Shiraz zu tun, aber als weisser Einstieg lassen wir’s gelten…   Kamille, Lindenblüten, Ananas, fülliger Gaumen, wirkt restsüss, dadurch wird die Säure etwas verdeckt.

– Old Block Shiraz 1991, St. Hallett (Australien): Herrlich gereift! Sandelholz, Dörrzwetschgen, Bärendreck, Pfeffer, Zedernholz, man könnte stundenlang weiter aufzählen! Herrlich süsser Schmelz, 26 Jahre alt und noch so ein Hochgenuss – wow!

– RSW Shiraz 1995, Wirra Wirra (Australien): Wenig Maggi, Steinpilze, überreife Brombeeren, Kardamom, am Gaumen mit spitzer Säure, auszehrend, deutlich über dem Zenith – leider!

– Paso Roble Nocturne Syrah 1999, Midnight (USA): Harz, Pfeffer, Anflug von Preiselbeeren, schöne Konsistenz.

– Springflat Shiraz 1998, Wild Duck Creek (Australien): Tabak, Kaffee, Blut, am Gaumen wie ein Mon Cherie ohne Schnaps, süsslich und cremig. Lecker!

– Black Guts Shiraz 1999, Rusden (Australien): Rauchspeck, Plumeria, Cohiba, Schwarzteenoten, Teer – einfach grandios gereifter Shiraz!

– Shiraz 2003, Brown Brothers (Australien): Süsslich, einfach, dazu mit CO2 – macht keinen Spass.

– Vintner’s Reserve Syrah 2006, Kendall-Jackson (USA): Aufgesetzt süsslich, einfach.

– The Boxer Shiraz 2006, Mollydooker (Australien): Dicke Post, aber äusserst gut gemacht! Wirkt nicht plump, sondern hat enorm Druck.

– T.H. Terroir Hunter Syrah Leyda 2011, Undurraga (Chile): Saure Zältli, schwarze Schokolade (80%), Cassis, mineralische Note, viel Säure.

– M.C.K. Motor City Kitty Syrah 2013, K Vintners (USA): Laktisch, Kaffee, schwarze Oliven, etwas krautig, leicht grün, sehr gute Länge, Zimt im Abgang.

– Eight Songs Shiraz 2002, Peter Lehmann (Australien): Pfeffer, Minze, rund, druckvoll und lang – cooler Stoff!

– Grand Rêve Reserve Syrah 2006, Force Majeure (USA): Brotrinde, Kaffee, Asphalt, Milchschokolade, am Gaumen mineralisch, voll, sehr lang.

– Cinématique Larner Vineyard Syrah 2009, Paul Lato (USA): Sehr mineralisch, Banago, am Gaumen komplex, mit hervorragender Säureunterstützung, lang.