Donnerstag, 8. Oktober 2020: Côtes du Rhône und Côtes du Rhône Villages!

Gelungener Abend mit Côtes du Rhône-Weinen von Topproduzenten, erstaunlich unterschiedlich im Charakter, aber durchs Band weg auf beachtlichem Niveau. Vielen Dank Marcel und auch allen andern, die zu diesem unvergesslichen Abend beigetragen haben!

Getrunkene Weine:

Janasse Côtes du Rhône blanc 2015: Zitrusfrüchte und Lindenblüten, Mango, am Gaumen etwas lasch, hat mit den Jahren etwas an Frische verloren.

Inopia Blanc Côtes du Rhône Villages 2017, Rotem & Mounir Saouma: Was für ein Charakterwein! Ein Sammelsurium an Düften strömt aus dem Glas, stets von einem stark mineralischen Unterton begleitet. Wir riechen Mandarinli, Honig, Wachs, Möbelpolitur, diverse Gewürze und weisse Blumen. Am Gaumen finessenreich, spannend, fast schon dekadent – wir mögen’s und sind begeistert!

La Cabotte Côtes du Rhône Villages Massif d’Uchaux Gabriel 2008: Bratensauce und Schnittlauch, danach immer mehr Kirschlikör, Schokolade. Fleischig am Gaumen, hat Biss.

Château de Fonsalette Côtes du Rhône 2006 (Château Rayas): Sugo und Gemüsesuppe verschwindet leider nicht ganz, dahinter aber Kirschen, Fleisch, nasses Fell usw. Am Gaumen mit guter Säurestruktur – wir spüren, da ist was Grosses im Glas. Vielen Dank, Marcel, für diesen Legendenwein!

Château Pégau Maclura Côtes du Rhône 2015: Der nächste Charakterwein! Diesmal viel Ross, reduktiv, nicht jedermanns Sache, aber dahinter kommen Kirschen, Blutorangen und ein feiner Kräutermix hervor. Am Gaumen überaus fleischig, kompakt – Essenswein!

Inopia Rouge Côtes du Rhône Villages 2016, Rotem & Mounir Saouma: Schwarze Johannisbeeren, als wäre der Wein aus Chile! Dazu aber ausserordentlich mineralisch, spannend, etwas störende Kohlensäure. Auch hier: Essenswein!

Auguste Clape Côtes du Rhône 2016: Leichter Stinker. Schwarze Johannisbeeren, erdig, Teer. Kühle Eleganz, fleischige Textur – ein mächtiger Wein mit festem Tanningerüst – muss erst noch etwas reifen.

Domaine Charvin Côtes du Rhône 2017: Schwarze Kirschen, Minze, nasse Wolle, Garrigue. Etwas adstringierend im mittellangen Finale. Vielleicht in ein paar Jahren runder?

Domaine Giraud Côtes du Rhône Vieilles Vignes Les Sables d’Arène 2015: Reiner Grenache mit praller schwarzer Kirschenfrucht, Veilchen, Lakritze. Vollmundig, schmeichlerisch, wenn auch mit sehr viel Alkohol. Nach einem Glas ist man ko…

Janasse Terre d’Argile Côtes du Rhône Villages 2007: Ein weiterer Dicksack – erstaunlich jung daherkommend. Typisches 07er Geschoss, schwer, üppig, alkoholreich. Danach muss doch Schluss sein, oder?

Saint-Cosme Côtes du Rhône 2011: Nein, da werden doch noch zwei Saint-Cosme hervorgezaubert… Kaffee, Brombeerfrucht, laktisch. Leicht rauchig, etwas auszehrend im mittellangen Finale.

Saint-Cosme Côtes du Rhône Les Deux Albions 2017: Kräftig, kompakt, noch sehr jung wirkend, mundfüllend, würziges, recht langes Finale.

Donnerstag, 1. Oktober 2020: Serie Südamerika – Argentinien Malbec

Ein hochstehender Malbec-Abend – vielen Dank an alle!

Getrunkene Weine:

Chasselas aus D (Ziereisen): Zum Aufwärmen was Spezielles vom deutschen Meister des Chasselas, Ziereisen: Bockwurst im Wasser, floral, grüne Äpfel, Melonen – eigenständig, charaktervoll.

Vino Blanco Orchid Valley, Soroa (Kuba): ein weiterer Piratenwein – angefaulte Mostbirnen, sonst nichts. Bleiben wir lieber bei den kubanischen Zigarren und vergessen deren Weine…

Temporada Mendoza Malbec 1997: Sodeli, endlich sind wir beim eigentlichen Thema angelangt. Der leichte Kellermuff verschwindet nach kurzer Zeit, und übrig bleibt ein wunderschön gereifter Malbec mit viel Süssholz, Duft nach warmer Milch, Kerzendocht. Am Gaumen süsslich angehaucht, rund und geschmeidig.

Trapiche Malbec Viña Federico Villafañe Single Vineyard La Consulta 2008: Viel Mokka, schwarze Beeren, Süssholz, dunkle Schokolade. Am Gaumen erstaunlich mineralisch, cremige Textur, langes Finale.

Salentein Reserve Malbec 2008: Rosssattel, viel Süssholz, verblühte Rosenblätter, spanische Nüssli. Am Gaumen saftig, recht dicht, mit einem exotischen, süsslichen Abgang.

Zuccardi Finca Canal Uco 2013: Laktisch, Kaffee, Banago, Blutorange – braucht viel Luft und wird dann besser und besser. Fleischige Textur, recht vielschichtig, hohe Säure.

Salentein Numina Gran Corte 2016: Karamell, dunkle Beeren, Zitronenabrieb, frische Kräuter. Am Gaumen fleischig, leicht grün, mit einem mittellangen Finale.

Altos Las Hormigas Appelation Gualtallary 2016: Feine Kirschenfrucht, Schwarztee, Heu, staubige Steine, Graphit. Sehr mineralisch, gute Säurestruktur, langes Finale.

Catena Zapata Adrianna Vineyard Malbec 2005: Schwarze Früchte, Rauchspeck, Lakritz, Mokka, haufenweise Mineralität. Vielschichtig, extraktreich, mit frischer Säure und einem sehr langen Abgang. Vielen Dank, Otti!

Aleanna Gran Enemigo Cabernet Franc Gualtallary 2015: Kräftig, konzentriert, mächtig. Unglaublich, aber auch komplex. Ein Dicksack mit Tiefgang! Vielen Dank, Brigitte und Benjamin!

Donnerstag, 24. September 2020: Provence!

Vielen Dank, Jorge, für die spannende Sammlung an Provence-Weinen!

Getrunkene Weine:

Cuvée Aupiho 2018, Domaine Fontchêne: Aprikosenduft, cremig und sämig, rund, tänzelt geschmeidig und mit Druck über den Gaumen.

Château de Brégançon Cru Classé la Réserve 2019: Grapefruit, reife Zitrusfrüchte, aus dem Hintergrund grüsst auch noch ein Granny Smith, schlussendlich beenden Rosen mit ihrer Parfümwolke das olfaktorische Spektakel.

Louise Château de Brégançon Cru Classé 2019: Mirabellen, Brotrinde, leicht rauchig, haufenweise Provencekräuter, buttrig, mit guter Säure und noch nicht mal in der Adoleszenz. Warten bis Louise erwachsen ist!

Pétale de Rose Rosé 2019, Château la Tour de L’Evêque: Himbeer- und Melonenzältli, leicht rauchig, Blumen, am Gaumen etwas Kohlensäure, aber dennoch vif und frisch.

Whispering Angel Rosé 2018, Château d’Esclans: Lollipop Lollipop oh Lolli Lolli Lolli Lollipop – pop! Am Gaumen geht der Lollipop-Ofen leider zu rasch aus und das Engel-Geflüster verstummt abrupt.

Château la Tour de L’Evêque Cuvée Noir et Or 2016: Chriesijoghurt, Cassis, Thymian, Rauch, Zitronenabrieb. Kompakter, eigenständiger Wein.

Les Mûriers 2005, Château Duvivier: Herbstlaub hinter dem Saustall, mit Minze, Lakritz und Leder garniert, ergibt einen rustikalen Wein, der die 15 Jahre seines Daseins löcke überstanden hat.

Bandol La Migoua 2004, Domaine Tempier: Bratensauce mit Maggi, was ist denn da passiert? Lagerung hinter dem Ofen? Die feine Minznote und ein letztes Aufbäumen in Form von Kräuterdüften rettet den Wein schliesslich doch noch vom Feld „Alt und klapprig“ zu „Alt, aber mit Würde“. Was im Endeffekt auf das Gleiche hinausläuft…

Bandol Longue Garde 2000, Château Jean-Pierre Gaussen: Jung wie frisch aus dem Rossstall geschlüpft! Andere animalische Noten sowie eine solide Säurestruktur begeistern die Einen, während die Andern verzweifelt nach frischer Luft ringen und entgeistert das Handtuch werfen…

Château de Brégançon Cru Classé Hermann Sabran 2017: Versöhnungsschlumi zum Schluss! Staldercrême, Rahmtäfeli, eine gehörige Portion Karamell, Süssholz, Schokolade und Kokosnuss, superpolierte Tannine – für die geschundenen Bandol-Gaumen genau das richtige Troschtpfläschterli!