Donnerstag, 24. Januar 2019: Pinot Noir: Schweiz oder nicht?

Sämtliche Weine wurden blind und in zufälliger Reihenfolge degustiert. Den eigenen Wein zu erkennen entpuppte sich als gar nicht so einfach, bei der Frage Schweiz ja oder nein? lagen wir dagegen zumeist richtig…

Getrunkene Weine:

– Meursault 1er Cru Les Cras Clos Richemont Monopole 2007, Henri Darnat (Burgund): Honig, Birnen, etwas Vanille, Zitrusfrucht, wirkt zu Beginn recht weit fortgeschritten, entwickelt sich an der Luft und etwas wärme besser und besser – wie so oft war der letzte Schluck der Beste!

– Blauburgunder Sélection 2016, Strickhof Trotte Wülflingen: Helle Farbe. Rotbeerige Frucht, stoffig, dezent Holz, am Gaumen fleischig und bekömmlich – unkompliziertes, äusserst günstiges Pinotvergnügen!

– Tête de Pinot 2016, Nadine Saxer, Neftenbach: Eiszältli, Banane, verbrannter Gummi, Holz. Moderner, seelenloser Pinot, für die breite Masse vinifiziert.

Als Gegenstück spontan aus dem Keller gezaubert und offen degustiert:

– Pinot Noir 2015, Strickhof Trotte Wülflingen: Leicht reduktiv, braucht Luft, aber da ist Leben drin! Das ist Pinot! Stoffig, kompakt, trotz des Jahrgangs mit einer bemerkenswerten Säurestruktur, hervorragend lang – bravo Michele Bono und Co! Zwei Franken teurer als der Tête de Pinot von Nadine Saxer, aber um Welten besser! Da waren wir uns alle einig!

– Eagle Cave du Village Magnum 1992, Yves Robyr (Wallis): Rauchspeck, Whiskynote, Champignons, Erde, faszinierend, aber doch zu alt.

– Novum de Salquenen 1991, Caveau du Rhône (Wallis): Maggi, Salamihaut – vorbei.

– Pinot Noir „Georg Fromm“ 2010, Donatsch (Bündner Herrschaft): Da tippten einige auf Burgund! Herrlicher Pinot mit Substanz, wirkt noch jung, kräftig, extrem Druck. Toll!

– Pommard Les Cras 2010, Roger Belland (Burgund): Zwetschgen, Zimt, tolle Frucht, wirkt noch sehr jung. Viel Druck und sehr bugundisch.

– Arenenberg Sélection Pinot Noir 2015 (Thurgau): Dropsig, Himbeerzältli, frischgeschnittenes Holz, Weihrauch. Wirkt künstlich, macht keine Freude.

– Grain Pinot 2012, Chappaz (Wallis): Marie-Thérèse Chappaz gilt als die Süssweinkönigin schlechthin, bei den Roten haben wir schon öfters eher Mühe gehabt. Reduktiv, irgendwie spannend, aber wie nicht fassbar, jemand spricht von Zitrusfurz, jemand von Hagebuttenknallpetarde – schwierig!

– Spätburgunder Sankt Paul Grosses Gewächs 2008, Friedrich Becker (Pfalz): Dezent Holz, sensationell feine Beerenfrucht, floraler Touch, erinnert irgendwie an Neuenburger Weine, sehr stoffig und breit, am Gaumen perfekte Balance, konzentriert, sehr lang – extrem hohes Niveau! Einer der Topproduzenten von Deutschland!

– Kloster Sion Klingnau Réserve 2015, Weingut zum Sternen (Aargau): Würzig, Colafröschli, Nougat, Karamell, wirkt nach dem Vorgänger fast süsslich. Etwas wenig Säure, mittellang.

– Graf Zeppelin Réserve 2014, Grillette (Neuenburg): Etwas reduktiv, Kaffeenoten, Peperoni, Zwiebeln, Stangensellerie. Erdig, leicht grüne Noten im Gaumen, leicht auszehrend, wahrscheinlich liegt’s am Jahrgang.

– Eagle Cave du Village Magnum 1992, Yves Robyr (Wallis): Marcel das Schlitzohr füllte den Rest der Magnum von Rotwein Nr 4 in eine normale Flasche um – und wir merkten nichts! Wir diskutierten über Blaublutfürzli und Senatorenfurz, immerhin noch Rauchspeck und Harz – aber dass es sich um den gleichen Wein handelte, merkte niemand… 🙁

– Pinot Noir „Vintage“ 2010, Donatsch (Bündner Herrschaft): Kommt portweinig daher, recht süss, Mentholnoten, parfümiertes Papier. Edler Abschluss eines superspannenden Abends – vielen Dank an ALLE!

 

Donnerstag, 17. Januar 2019: Down Under im Fokus!

Getrunkene Weine:

– Semillon Barossa 2004, Peter Lehmann: Kaum zu glauben, aber dieser an und für sich einfache Semillon hat locker gehalten! Feine Zitrusfruchtaromatik, Honig, Wachs, dezent Wachs, präsente Säure.

– Lovedale Semillon Hunter Valley 2003, Mount Pleasant: Hier konnte man davon ausgehen, dass der Wein noch fast jugendlich daher kommt – Hunter Valley halt! Lindenblütennoten, Lanolin, etwas Grapefruit, Brioche; mit guter Säurestruktur und einem recht langen Abgang.

– Yattarna Chardonnay 1999, Penfolds: Feine Honignoten, Brioche, buttrig, wirkt viel jünger, am Gaumen cremig, perfekt integrierte Säure, unglaubliche Länge. Toll!

– The Howling dog Durif 2005, Massena: Die Rebsorte Durif ist identisch mit der kalifornischen Petite Sirah. Ein spannender Charakterkopf mit schräger Aromatik, angefangen von Hustensirup, nassem Leder bis hin zu schwarzen Oliven und Sugus. Etwas störende Kohlensäure auf der Zunge.

– Mentor 1998, Peter Lehmann: Pfefferminze, Milky Way, rauchig, würzig; am Gaumen weich, recht lang. Hat erstaunlich gut gehalten, was am Superjahrgang liegen dürfte.

– Black Label 1997, Wolf Blass: Sehr stark Maggi in der Nase, deutliche Altersnoten; am Gaumen frischer und mit Druck, nach kurzer Zeit nehmen aber auch dort die Altersnoten überhand.

– The Steading 1998, Torbreck: Grenache, Mourvèdre und Shiraz herrlich vereint, mit Kraft und viel Stoff, feinem Tabak, richtig nobel und sehr, sehr lang.

– Astralis Shiraz 1997, Clarendon: Schwarze Beeren, Lakritze, Zugsalbe, ausgetrocknete Erde. Am Gaumen reif, rund, mit einer gediegenen Pfeffernote im langen Abgang. Gehört jetzt ausgetrunken, 1997 scheint schneller reif geworden zu sein als der gigantische 98er.

– Seven Acre Shiraz 1997, Greenock: Kleiner Stinker, recht floral, Holzkohle; anders als die bisher im Weinclub genossenen Seven Acres; am Gaumen rund und geschmeidig, mit sehr guter Länge und enormem Druck.

– Shiraz OId Adam 2002, Bremerton: Viel Süssholz, Schokolade, üppige Würze, rund und nobel. Klassisch Australien!

– Springflat Shiraz 2009, Wild Duck: Ein Blockbuster mit schwarzen Fruchtnoten, Lakritze, Mokka, am Gaumen etwas störender Alkohol, wuchtig und mit viel Druck.

– Fine old Tokay, Buller: Feigen, Nüsse, getrocknete Früchte, Honig, recht süss.

 

 

 

 

 

Donnerstag, 10. Januar 2019: …. meine ‚Duftmarke‘ für’s neue Weinclubjahr!

Getrunkene Weine:

– Ambassadeur Fumé Gros Rhin de Chamoson 2013, Adrian & Diego Mathier (Wallis, Schweiz): Viel Holz, Karamell und Vanille, dazu aber auch sehr fruchtbetontes Bukett. Der Wein wirkt recht üppig, aber dennoch ausdrucksstark.

– Grüner Veltliner Mit Achtung 2015 (Kamptal, Oesterreich): Orangewine, so spannend wie ein Hitchcockkrimi, facettenreich, kompromisslos.

– Côtes du Jura 2011, Domaine Macle (Château-Chalon, Jura, Frankreich): Und weiter geht’s im Reich des Exotischen… Chardonnay und Savagnin oxidativ ausgebaut, eine eigene Welt für sich, lässt niemanden kalt.

Wow, die drei Weissen haben vielleicht eine Duftmarke hinterlassen – geht’s bei den Roten so weiter?

– Barolo 2010, Pio Cesare (Piemont, Italien): Grosser Jahrgang, bekannter Produzent. Schwarze Früchte, würzig, kalte Asche, Lakritz; am Gaumen geschliffen wirkend, aber nobel und jetzt eigentlich trinkreif. Ein toller Barolo!

– Châteauneuf-du-Pape Lucile Avril 2013, Domaine Durieu (südliche Rhône, Frankreich): Zu Beginn leichter Stinker. Sehr würzige Nase, feine Brombeer- und Cassisaromatik, Leder; am Gaumen breit und mit sehr viel Druck, langes Finale.

– Côtes du Rhône La Pialade 2013, Château Rayas (südliche Rhône, Frankreich): Eigenwilliger, sehr hellfarbiger Rotwein, duftet nach Erdbeeren, Oregano und andern Kräutern, Lakritz, Teer; am Gaumen Quitten und Früchtetee. Da ist man schon fast überfordert und würde blind eher auf einen Süsswein tippen! Faszinierend!

– Homestead 2014, Big Basin Vineyards (Kalifornien, Central Coast, USA): Und es geht weiter im Reigen von spannenden Weinen! Mourvèdre, Grenache, Carignan, Syrah und Cabernet Sauvignon friedlich vereint. Viel Lakritz, würzig, Schwarztee, dunkle Beeren, etwas Holz; am Gaumen saftig, mit guter Länge.

– Black Label 1994, Wolf Blass (Australien): Cabernet Sauvignon, Shiraz und Merlot. Sensationell gut gereift, richtig toll, mit Kampfer-, Eukalyptus-, Erd- und Lakritznoten. Am Gaumen süsser Schmelz, fast schon dropsig, da könnte man süchtig werden!

– Terreus 2009, Mauro (Castilla y Léon, Spanien): Mauros Meisterwerk, erstmals im Weinclub! Sehr intensive Aromatik, Banago, Karamell, dunkle, aber auch rote Früchte, dazu ausgeprägt mineralisch. Tolle Struktur, präzis wie ein Schweizer Uhrwerk, mit unglaublicher Kraft und einer enormen Länge.

– Meshach Shiraz 2000, Grant Burge (Barossa, Australien): Wow! Down Under vom Feinsten! Eukalyptus, Plumeria, Blut, Sandelholz, genial! Am Gaumen konzentriert, mit feinen Tanninen, einer berauschenden Süsse und einem sehr langen Abgang.

– Guiraud 1998 (Sauternes, Frankreich): Marzipan, Blätterteig, Sultanien, Safran. Feines Süss-Säurespiel, ein herrlicher Abschluss eines unglaublich vielseitigen, hochstehenden Weinabends – dank Euch, liebe Weinclubfreunde! Vielen Dank!