Donnerstag, 8. November 2018: Weine aus Serbien!

Ein ganz toller Abend mit Dejan, der für uns eine sehr spannende Auswahl an serbischen Weinen zusammengestellt hat und sie uns gekonnt erklärte – vielen Dank, Dejan!

Getrunkene Weine:

– Jagoda 2017, Vinarija Cosic: Walderdbeeren, Rosenwasser, Muskat, Americanotrauben. Exotischer Weisswein aus roten Trauben!

– Tamjanika 2016, Cokot: Muscat, Zitrus, etwas Weihrauch, Aprikosenjoghurt. Am Gaumen frisch, rechte Säure, spannender Wein!

– Tamjanika 2017, Vinarija Vujic: Dejans Weisswein gefällt mit feiner Muskataromatik, erinnert mit seinen Stachelbeeraromen und dezent grasigem Hintergrund an einen Sauvignon Blanc. Anfangs leicht reduktiv, wirkt er später sehr frisch und knackig.

– Despot Crveni 2017, Dzervin: Merlot und Cabernet Franc. Vanille, Karamell, Joghurt, wirkt etwas geschliffen, ohne Ecken und Kanten. Dürfte ruhig etwas despotischer daherkommen.

– Regent Reserve 2012, Aleksandrovic: Merlot und Cabernet Sauvignon, der Name Regent bezieht sich demnach nicht auf die Traubensorte. Warm, Johannisbeeren, Chrieseli, leicht rauchig, ätherisch, mundfüllend und saftig.

– I Kao da si Andjeo (als ob du ein Engel wärst) 2010, Budimir: Merlot und Prokupac. Schwarze Früchte, Orangenzesten, leicht spritig, viele Gerbstoffe. Druckvolles Finale.

– Prokupac 2016, Cokot: Kaffeenoten, Röstaromen, Vanille, rauchig, entwickelt sehr viel Druck, mundfüllend, hat Biss, recht langer Abgang.

– Prokupac 2017, Vinarija Vujic: Dejans Rotwein, soeben in Serbien mit einer Silbermedaille ausgezeichnet (im Prinzip bester Prokupac dieses Jahrgangs!). Herzliche Gratulation, Dejan! Spontanvergoren, kompromisslos durchgezogen, rustikal, leicht reduktiv, ist charaktervoll und zeigt Authenzitität. Bravo, Dejan! Die Rebstöcke sind übrigens uralt und wurzelecht  – den Namen Vinarija Vujic sollte man sich merken!

 

 

 

 

Donnerstag, 1. November 2018: Serie Bordeaux – Pauillac

Getrunkene Weine:

– Les Plantiers du Haut-Brion 2006: Von jungen Semillon-Rebstöcken aus dem Haut-Brion-Weinberg. Stark apfelig, Apfel im Schlafrock, Kandiszucker, Waldhonig, Kamille, mit der Luft entwickeln sich feine Blumenaromen.

– Pontet-Canet 1983: Die goldene Zeit von Pontet-Canet begann erst ab 1994… Alte Lumpen, Kellerboden, Tomatenpurée, krautig, unharmonische Säure, da ist wirklich wenig drin, was Spass macht. Vielleicht die Sojatöne im leeren Glas?

– Lynch-Moussas 1989: Nicht schlecht in der Nase, am Gaumen aber definitv zu dünn und unausgewogen für diesen Top-Jahrgang! Endet bitter, die Gerbstoffe sind unreif.

– d’Armailhac 1990: Espresso, animalisch, Ross PLUS Sattel, hat Kraft und Biss. Einziger Wermutstropfen: ein abgestandener Uringeruch (im Wein) zerstört das positive Gesamtbild. Mich schüttelt’s noch jetzt, zwölf Stunden später…

– Grand-Puy Ducasse 1988: Gefällig, „warm“, mit Cassisnoten. Rund und fein, mineralisch, endet ganz leicht bitter.

– Les Tourelles de Longueville 2005: Feine reife Beeren kitzeln die Nase, schwarze Kirschen; am Gaumen dann die Ueberraschung: recht ruppige Tannine, wirkt burschikos und einfach. Oder einfach noch zu jung?

– Batailley 1995: Laktisch, beerig, Zedernholz, saftiger Gaumen, jetzt perfekt auf dem Höhepunkt, macht Spass!

– Clerc-Milon 2005: So, jetzt sind wir definitv angekommen! Die Nase ist schon superschön! Laktisch, Lakritz, dunkle vollreife Beeren, Bleistiftspitze; am Gaumen kräftig, noch sehr jung wirkend, der ist noch lange nicht auf dem Höhepunkt – aber jetzt schon toll!

– Pichon-Longueville-Comtesse-de- Lalande 2002: Röstnoten, blaue und schwarze Früchte, wenig Animalik; am Gaumen tief und körperreich, faszinierende Zitrusaromen im sehr langen Abgang.

– Lynch-Bages 1999: Salamihaut, Aufschnittplatte, leicht rauchig, Schokotöne; am Gaumen vollmundig, beeindruckend langes Finale. Hat Charisma!

– Pichon-Longueville-Baron 1996: Espresso, laktisch, Hobelspäne, Fleischbrühe mit Bouillon, am Gaumen vollmundig, typische 96er-Säure, gute Länge.

– Broustet 1978: Leichter Kork. Marzipan, Pilz, bestimmt über dem Zenith.

– Doisy-Daene 1996: Süsse Mandeln, gedörrte Aprikosen, Grüntee. Nicht auf der ultrasüssen Seite, auch nicht mit der prägenden Säurestruktur – aber noch beeindruckend frisch – hält locker noch zehn Jahre und mehr!

 

 

 

 

Donnerstag, 25. Oktober 2018: Serie Traubensorten – Sauvignon blanc & Cabernet franc

Getrunkene Weine:

– Sauvignon Blanc Poggio alle Gazze 2000, Tenuta dell’Ornellaia (Italien, Toskana): Mostig und brandig, etwas Honig, keine Aromatik mehr, zu alt. Schade.

– Sauvignon Blanc Gemella 2012, Bindella (Italien, Toskana): Jede Menge Schiesspulver, Schwefel, dahinter würzig, stützende Säure, alles in allem zu einfach.

– Pouilly-Fumé Les Cris 2009, Cailbourdin (Frankreich, Loire): Sehr frisch, mit Noten nach Zitrus, Kalk, leicht rauchig; am Gaumen wieder viel Mineralität, feingliedrige Säure, langes Finale. Hat sehr gut gehalten!

– Pouilly-Fumé Les Cris 2014, Cailbourdin (Frankreich, Loire): Limetten, frisch geschnittenes Gras, Bienenwachs, Stachelbeeren, prägende Säure. Der 2009er war zugänglicher und geschmeidiger.

– Saumur Blanc 2000, Château Yvonne (Frankreich, Loire): Nanu, das ist ja Chenin Blanc? Macht nichts, ein schöner Pirat nehmen wir immer gerne entgegen. Honig, Rauch, Brandruine, gedörrte Aprikosen, sehr spannend, aber wie gesagt kein Sauvignon Blanc…

– Sancerre Guigne-Chèvres 2012, Domaine Vacheron (Frankreich, Loire): Komplexes Bukett mit feinen Zitrusnoten, Grapefruit, sehr würzig und mineralisch. Am Gaumen saftig und vielschichtig, mit pikanten Säurestruktur. Noch zu jung. Dürfte locker Jahrzehnte überstehen.

– Fassprobe Cabernet Blanc/Sauvignon Blanc 2018, Strickhof Winterthur, Azubi-Wein: Traubig, Nordpolzältli, Grapefruit, erstaunlich präsente Säure. Wird sich bestimmt gut entwickeln.

– Cabernet Tornyos 2000 (Ungarn): Paprika, ganz leicht animalisch, herb, Bananenbrei, Kaffeenoten.

– Moonlight Cabernet Franc 2001, Midnight (USA, Kalifornien): Kaffee, schwarze Schokolade, Mandeln, weiche Tannine, ganz leicht Kohlensäure. Wein, dem es an Tiefgang fehlt.

– The Franc Cabernet Franc 2005, Cosentino (USA, Kalifornien): Leicht schwefelig. Schwarze Früchte, Schwarztee, Sojasauce, leider auch mit grünen Noten, wirkt etwas langweilig.

– Chinon Les Grézeaux 2009, Bernard Baudry (Frankreich, Loire): Animalisch, frisch gemähtes Gras, grüne Paprika, am Gaumen zwar saftig und mit der Luft besser werdend, aber irgendwie wirkt der Wein nicht ganz harmonisch.

– Paleo 2008, Le Macchiole (Italien, Toskana): Zum Abschluss ein Knaller! Schwarz, schwarz, schwarz! Dunkle Schokolade, Gabazältli, aber auch viel Mineralität. Mundfüllendes Cabernet-Franc-Erlebnis, dürfte den Genusshöhepunkt erst in einigen Jahren erreichen.

– Sauvignon Blanc Beerenauslese 2000, Lang (Oesterreich, Neusiedlersee): Marzipan, Rosenparfüm, Karamell, getrocknete Früchte. Gehört eher als Sauce über ein Glace geleert denn ins Glas.