Donnerstag, 8. Oktober 2026: ‚Was ich schon immer zeigen wollte aber nie konnte‘

Getrunkene Weine:

2019 Les Maladières Chasselas, Domaine Ruedin (Tatasciore), AOC Neuenburg:
Zart, blumig, zitrisch – der Chasselas gibt den Unschuldigen. Ein Neuenburger mit fast schon langweilig gutem Benehmen.

2018 Mas d’en Janeil blanc, Côtes du Roussillon, F. Lurton:
Apfel, Mango, Vanille, Honig – ein Fruchtcocktail im Stundenhotel. Üppig gebaut, holzgetäfelt und hinten raus mit Nachdruck. Der Mas d’en Janeil ist nichts für prüde Gaumen.

2021 Riesling Vignum Grand Premier Cru Grevenmacher Paradäis, Domaines Vinsmoselle, Luxemburg:
Akazienhonig im Dreifachpack, dahinter ein Steinfruchtdüftchen auf Zehenspitzen. Dazu feine Säure und ein Hauch Americanotraube. Das Mitbringsel aus Luxemburg hat nicht geklingelt – es stand plötzlich mitten im Wohnzimmer und wollte bleiben.

Gewürztraminer trocken Solera MDG 2014-2019, Eymann (Pfalz, Deutschland):
Cidre, Waschmittel, Lavendel, Peperoni, Tee. Der Duft hat offenbar mehrere Persönlichkeiten – und keine davon ist auf Bewährung draussen. Eymanns Solera: einmal quer durch den olfaktorischen Strafkatalog.

2018 Zárate Caiño Tinto, Zárate, Rías Baixas Spanien:
So schrecklich verkorkt, dass Rías Baixas eine Krisensitzung einberuft. Der Caiño Tinto ist nicht einfach korkkrank – er ist ein diplomatischer Zwischenfall.

2007 Domaine de Boède Les Grès L’Esprit de la Négly, Château La Négly (Languedoc):
Rauchwurst, Lakritz, Karamellköpfchen, Cassis – süss, schwer und alkoholisch bestens bewaffnet. Schwarztee hält die Stellung. Ein Wein wie ein Zigarrenclub, in dem die Metzgerei das Catering übernommen hat.

2020 Cortona Syrah, Stefano Amerighi (Toskana, DOC Cortona):
Oliven, Zimt, Mokka, Blutorange und Garrigue – Cortona spielt Rhône oder Walla Walla. Und dieses dezente Kräuseln auf der Zunge: Die Geschmacksknospen haben offenbar Stromkontakt.

2013 Sassella Rocce Rosse Valtellina Superiore Riserva, ArPePe (Veltlin):
Herbstlaub, Kirschen, Orangenabrieb, ein Rauchsäulein und Teenoten. Der Nebbiolo trägt Tweed, liest Gedichte und raucht heimlich hinter dem Schuppen. Saftig ist er trotzdem. Ein verdammt guter Wein, dieser literarische Sonderling.

2013 Châteauneuf-du-Pape Cuvée Laurence, Domaine du Pegau:
Würze ohne Ende, Himbeere, Mandarine samt Kernen, Schokopulver und Unterholz. Wirkt dünn wie ein Châteauneuf auf Diät, liefert aber aromatisch die volle Breitseite. Verspielt, komplex und herrlich atypisch für Château9. Der Wolf im Spitalhemd. Und der Rest der Appellation kann heimgehen.

2015 Minervois Cru La Livinère Dynamic, Château Maris (Languedoc):
Holz und Alkohol machen zunächst den Türsteher. Mit Luft kommen Brombeeren, Feigen, Karamell und Kokos aus dem Hinterzimmer. Dunkel, finster, voller Rauch und Glut – ein Vulkan, der erst die Möbel anzündet und danach Pralinen verteilt.

Donnerstag, 1. Oktober 2026: K&K und der Balkan

Getrunkene Weine:

2025 Rumeni Muskat, Malec (Slowenien):
Blumig, fruchtig, leicht lieblich – der Muskat macht auf Charmeoffensive. Und kommt damit erstaunlich weit.

2019 Furmint, Verus (Slowenien):
Ein Hauch Schiesspulver, Zitrus, Honig, viel Würze, Lindenblüten und Mirabelle – dazu eine Säure, die offenbar mit Feuerwerk aufgewachsen ist. Der Furmint hat ordentlich Munition.

2019 Chardonnay Groblja Vedrignano Il Cru, Domaine Vicomte de Noüe-Marinic (Slowenien):
Mango und Grapefruit, ordentlich Holz, ölig und hinten raus steinig-mineralisch. Der Chardonnay hat offenbar in Burgund studiert – und die Abschlussarbeit in Slowenien abgegeben.

2012 GRK Herakles, Madirazza (Kroatien):
Ganzer Obstkorb, Melonenschnitz, leicht angeschlagener Apfel, Zitronenmelisse und Kamille. Dazu ein erfrischend bitteres Finale. Herakles? Eher Obstsalat mit Kampfgeist.

2016 Grüner Veltliner Smaragd Achleiten, Domäne Wachau (Österreich):
Reife Ananas, Zitrone, Lindenblüten, fein mineralisch – und mit zehn Jahren noch erstaunlich klar auf den Beinen. So darf Alter aussehen.

2007 Zlatan Plavac Barrique, Zlatan Otok (Kroatien):
Rauch, Efeu, Dörrpflaume, eingemachte Beeren – dazu Bergwerk-Tannine und reichlich Sperrigkeit. Der 2007er kommt offenbar direkt aus dem Stollen.

2010 Nemea Old Vines, Estate Papaioannou (Griechenland):
Pflaume, Tomatenmark, dunkle Schokolade, balsamisch. Hinten raus zieht er eine Schleife – zwar kürzer als „Papaioannou“ und „Agiorgitiko“ ausgesprochen werden, aber nur knapp. Zehn Sekunden plus. Respekt.

2023 Merlot, Menenghetti (Kroatien):
Pflaumenkonfitüre, Schokolade, modern, aber mit Charme. Da würde selbst der Löwe in der Serengeti über diesen Menenghetti vor Freude brüllen.

2013 Plavac Mali Pharos Maximus, Hvar Hills (Kroatien):
Pflaumen, Tabak, Zedernholz, dazu etwas Mineralität im Hintergrund. Hinten raus herb und bitter. Überextrahiert? Oder einfach nur sehr überzeugt von sich selbst.

2023 Beerenauslese Terrassen, Domäne Wachau (Österreich):
Pink Grapefruit, Blumen, Mango – parfümiert bis in die letzte Ecke, dennoch vielschichtig. Süss, aber von der Säure sauber auf Kurs gehalten. Beerenauslese mit eingebautem Turbolader.

Lass uns gemeinsam königlich, kaiserlich schlemmen und schlürfen! …. und lernen!

Donnerstag Degustation

Donnerstag, 15 Oktober 2026 | 19:00 – 22:00

Meinweinkeller – VINOTTI, Hegistr. 39a, Winterthur, 8404

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