Schon eine halbe Ewigkeit ist vergangen seit der letzten Weindegu mit einheimischen Schaffen. Wir degustieren blind die Weine aus der Ostschweiz: AOC Zürich, Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen und Graubünden. Wir diskutieren Traubensorte, Herkunft und Alter.
Ich freue mich riesig auf deine Wahl und die Diskussion!
Info: Der Weinabend K&K – Weine aus dem Osten wird auf Wunsch der Balkan Spezialisten auf den 24. September 2026 verschoben. Andi ist noch unterwegs in Slowenien.
Apéro: Schaumwein Rizzi, Alta Langhe pas dosé 2017: Schön trocken, zitrisch, grüne herbe Säure
Mario Costa, Ciann da Stiva, Nebbiolo d’Alba, Superiore 2021: In der Nase Anflug von Whisky, Orange und Kräuterbitter; am Gaumen dunkle Kirschen, Bitterschokolade, viel Eleganz und Charakter, klassisch und trinkig.
Mauro Veglio, Barolo Rocche dell‘ Annunziata 2013: In der Nase Erde, Laub, Schwarzwäldertorte und einzelne meinen leicht Maggikraut; am Gaumen füllig, feurig, dicht, Schokolade, Cola, Kirschen, mit Waldnoten und Leder, lang
Scagionla Sansi, Brum Nebbiolo Menferrato 2023: In der Nase Kirschwasser, süsse Kirschen, Rauch; am Gaumen trocken, elegant, unkompliziert, Kirschen, sandige Tanine, schöne Säure, der ideale Wein zur Lasagne.
Pira, Barolo Mergheria 2020: Die Nase laktisch, Schoggi, Caramel, balsamisch, Kirschen und Waldfrüchte; am Gaumen cremig, jung – agressiv – pfeffrig, Orangen, wirkt leicht gekocht.
Produttori del Barbaresco, Barbaresco 1985: Die Nase meldet – uuuiiiii, die einen schauderts vor Toitoi und animalischen Gerüchen, die anderen erfreuen sich an Rauch, Tabak, Leder und Laugenbrötli; am Gaumen Tabak, Leder, edel, Süsse und Wärme – süsses Tanin, Seil und Hund.
Cogno, Barolo Ravera 2016: In der Nase Kirschen, Schwarzwäldertorte, Schoko, Süsse, fein und elegant; toller Gaumen mit engmaschigem Aromengeflecht, Zitrusnote, Orange, feine Eleganz, Rauchholz, Hagenbutte, schöne Herbe, pfeffrig und würzig.
Rizzi, Barbaresco 2016: An der Nase Kirschen, Rosinli, Tabak, balsamisch, ausfüllend, etherisch; am Gaumen PÄNG! raumfüllend, gross, geil, toll, …. und? … Antwort: da muss man nichts mehr weiter sagen!
Tenuta Montanello, Barolo 2015: In der Nase Coci, Schwarztee, erdig, tiefschwarze Früchte, alles eher verhalten und subtil; am Gaumen schwarze Früchte, Schwarztee, eingelegte Weinbeeren, alkoholisch, tolle Tankinstruktur, ein schöner Wein.
Attilio Ghisolfi, Barlo Bricco Visette 2003: Die Nase zeigt eine dichte Aromen mit dunklen Früchten, Cola, Tabak, Röstaromen, Rosen; am Gaumen dicht, balsamisch, Schwarztee, modern, tief, vielschichtig, Leder, Teernoten.
Produttori del Barbaresco, Barbaresco Riserva Otello 1971: Braune Sauce, in der Nase Salsiz, Rauchspeck, leicht metallisch, Tee, rosiniert; am Gaumen Rauchspeck, Caramel – Toffifee, rosiniert, Meinungen könnten kontroverser nicht sein: Marcel strahlt – Karol I meint trocken, tot, nussig.
Produttori del Barbaresco, Barbaresco 1971: und weiter gehts mit der Kontroverse schon an der Nase: Laugengebäck, Pinienkerne, spanische Nüssli, Sumag – was immer das ist, Tee, vergammelter Eistee, Tirolerspeck; am Gaumen Nüsse an vergammelten Liqueur, Schwarztee und dass der Spruch des Abends: In der Summe der vielen Gerüche ist eine Harmonie zu erkennen 😉
Die Strahlemänner des Abends: ‚Historische Blinddegustation‘
2022 Montlouis Brut Nature Méthode Traditionnelle, François Chidaine: 100 % Chenin. Hibbelig und komplett ohne Zuckerwatte. So knacktrocken, dass man fast schon wieder Durst bekommt.
2023 Anjou Chenin Blanc, Clau de Nell: Litschi, Ananas, Hagebutten – und dann dreht die Säure auf Crescendo. Chenin Blanc mit klassischem „Ich bin noch lange nicht fertig“-Syndrom.
2018 Chenin Blanc Clos de la Cerisaie Saumur, Mélaric: Grapefruit, Kumquat, Salz ohne Ende – dieser 2018er hat offenbar nicht nur im Meer übernachtet, sondern dort gleich noch ein Zimmer genommen.
2021 Chenin Blanc Savennières Clos de la Hutte, Thibaud Boudignon: Am Anfang macht er auf verschlossene Auster, später blitzen Zitronenzesten, Grapefruit und weisse Blüten durch – dieser Chenin braucht Anlauf, aber dann wird’s verdammt fein.
2023 Sancerre d’Antan, Henri Bourgeois: D’Antan – klingt nach früher, schmeckt aber erstaunlich frisch: Stachelbeere, weisser Flieder, etwas Mineralik und am Gaumen eine saftig-grüne Grasnummer.
2022 Menetou-Salon Domaine de Champarlan, David & Luc Girard: Limette, Zitrus, Kreide – Sauvignon Blanc ohne Firlefanz. Saftig und so geradlinig, dass selbst Sancerre kurz neidisch rüberschielt.
2017 Nuit Blanche Pouilly-Fumé, Domaine de Maltaverne: Nuit Blanche? Eher nicht – mineralisch, straff und salzig, aber hinten raus macht der Wein dann doch langsam das Licht aus.
2019 Blanc etc Pouilly-Fumé, Louis Benjamin Dagueneau: Blanc etc – Sauvignon Blanc im Hochpräzisionsmodus: glasklar, straff, salzig und mit so viel Mineralik, dass selbst der Feuerstein nervös wird.
2023 Pinot Noir Belle Dame Sancerre, Domaine Vacheron: Belle Dame – Sancerre kann also auch Rot. Kühl, saftig, elegant und blitzsauber unterwegs – nur für die ganz grosse Romanze fehlt am Ende ein kleines Kapitel.
2016 Cabernet Franc Senseï Saumur, La Source du Ruault Saumur: Heidelbeere im Mund, grüner Sturkopf im Kopf – dieser Cabernet Franc hat offenbar nie gelernt, sich beliebt zu machen.
2016 Cabernet Franc Chinon, Château de Saint Louans: Viel Holz, laktisch, ätherisch – klingt nach Wellness, schmeckt aber eher nach Sitzungszimmer. Cabernet Franc mit erstaunlich wenig Lust auf Unterhaltung.
2024 Cabernet Franc Anjou, Clau de Nell: Viel Frucht, viel Dropsigkeit, wenig Tiefgang – der Cabernet Franc macht auf charmant, bleibt dabei aber ziemlich an der Oberfläche.
2018 Négrette Grenouillère Préphylloxérique, Jérémie Mourat: Erdig, frisch, authentisch – und hinten raus noch Orangenzeste. Kein Blender, kein Schminkkoffer, einfach ein ziemlich eigenwilliger Kerl.
2011 Clos de Sainte Catherine Côteaux du Layon, Domaine des Baumard: Wachs, gedörrte Aprikose, Orangenzeste – ein süsser alter Hase, der erstaunlicherweise noch ziemlich viel Pfeffer im Hintern hat.
1996 Coteaux du Layon Sélection de Grains Nobles, Domaine Philippe Delesvaux: Viel Safran, Orangenmarmelade und Quitte – dieser alte Goldjunge hat offenbar beschlossen, nicht zu altern, sondern sich einfach einzudicken.