Getrunkene Weine:
2013 Riesling Trittenheimer Apotheke GG, Grans-Fassian: Diese Apotheke hat keine Öffnungszeiten – nur Nachhall. Steinobst, leicht mehliger Granny Smith, warmer Schiefer und eine Säure wie der Blick des Dorfapothekers kurz vor Ladenschluss.
2025 Vementino Etichetta Nera, Lunae: Melonenbonbon in der Nase und im Abgang, dazu Blumen, etwas Rauch – und salzig wie rasch weggewischte Freudentränen.
2021 Barolo, Mauro Molino: Erdbeeren, Kirschen, ein Hauch Tabak und Kräuter, die sich nicht verabschieden wollen. Am Gaumen überraschend leichtfüssig, bis die Würze wieder übernimmt und bis zum Schluss auf der Bühne bleibt.
2018 Barolo Villero, Sordo: Kirschen, Rosenblätter, Teer und Lakritz. Am Gaumen nicht im Gleichgewicht – der heisse 2018er Jahrgang blitzt kurz durch, bevor das Finale herb-bitter ausläuft.
2019 Barolo Castiglione, Vietti: Holz, Erde, Teer, Kirschen und Pflaumen – als würde jemand Barolo in Schichten erzählen. Am Gaumen engmaschige Tannine und feine Säure, alles noch ein bisschen ernst im Ton, bevor ein langes, leise mineralisches Finale das letzte Wort übernimmt.
2016 Barolo, Marengo: Mehr Dörrobst und Rumtopf, als einem lieb ist. Am Gaumen auszehrend und deutlich alkoholisch, mit wenig Interesse an Harmonie.
2015 Barolo Cannubi, Marchesi di Barolo: Dunkle Kirschen, rote Früchte, Karamell und Kokos – fast schon Dessertstimmung. Am Gaumen vollmundig und fruchtbetont, üppig, bis die deutlich präsente Säure dem Ganzen wieder eine ernstere Richtung gibt.
2012 Barolo Ravera, Cogno: Mehr Bratensauce und Liebstöckel als Ravera-Romantik. Tabak, Pilze – und ein brutal zehrendes Finale, das jede Idee eines zweiten Glases zuverlässig erledigt.
2010 Barolo Ornato, Pio Cesare: Dunkle Früchte, Teer, Cola, Rosen – Barolo mit geschniegelt glänzender Stirn. Am Gaumen konzentriert, die Säure etwas zu stark im Vordergrund, der ultralange Abgang deutlich von süssem Holz begleitet.
2010 Barolo Bussia, Parusso: Kaffee, schwarze Kirschenmarmelade, etwas Francipani – kurz der Verdacht: Barossa Shiraz? Am Gaumen kräftig und intensiv, mit Schwarztee im langen Finale. Wild dekadent, aber erstaunlich knuddelig und trinkfreundlich.
1967 Barolo La Rosa, Fontanafredda: Fast 60-jährig und immer noch trinkbar: ein Hauch Maggi, Pilze, Tabak – dazu ein süssliches Finale, das man am liebsten einrahmen und übers Bett hängen würde.

Donnerstag Degustation


