Donnerstag, 12. März 2026: Chile

Getrunkene Weine:

2018 Riesling Geyersberg GG, Weingut Winter (Rheinhessen, Deutschland):
Ein Hauch Petrol, gelbe Frucht, freche Grapefruit. Frische Säure mit wachküssendem Biss – der Abgang: weisse Blüten, die bleiben wollen.

2017 Chardonnay Montes Alpha, Montes:
Karols Version: Reif und aromatisch mit süssem Büchsenmais, würzige Amalfizitrone, Pomelo, gelbe Fruchtreife, Birne, Creme, Butter, Vanille… Am Gaumen nur mittlere Säure, breiter Körper, bittere Zitronenwürze, Nuss und Toast im anhaltenden Finish.
Marcs Minoritätsgeschwafel: Sweet Corn, buttrig, viel Vanille, träge. Der Pfupf? War nie da.

2023 Sauvignon Blanc CIVIS, TerraNoble:
Hocharomatisch, extrovertiert: Stachelbeere, Grapefruit sowieso, etwas Honig, dazu Spargel. Das Finish leicht bitter und kurz – aber der Preis stimmt.

2005 Pinot Noir Lo Abarca Hills Vineyard, Casa Marin:
Von Bratensauce über Nagellack bis Liebstöckel – alles da. Zum Trinken allerdings nicht mehr geeignet.

2013 Montsecano Pinot Noir, Montsecano:
Ein Querkopf aus dem Casablanca Valley: schütteln, lüften, Stallnoten vertreiben – dann Bogart spielen: „Ich schau dir in die Augen, Kleines.“ Wilde Kräuter, Ross­sattel, Harz, Rauch, rote Früchte, und im Abgang: Wacholder pur.

2021 Secano Dry Farmed Syrah, Polkura:
Cassisnoten, laktisch, Rauch, weisser Pfeffer, süsslich – aber irgendwie sexy. Wärmende 15 % Alkohol, die im Abgang ein leicht brandiges Gefühl hinterlassen.

2019 Cariñena Field Blend Truquilemu Vineyard, Garage Wine & Co:
Ein Hauch Animalik pfeift durchs Glas, dazu Blutorange, ein Korb roter Beeren, dunkler Pfeffer und Holzkohle. Griffige Tannine, moderat bitteres, sehr langes Finale. Spannender Carigñan.

2012 Don Maximiano Founder’s Reserve, Errazuriz:
Früher eine Cassisorgie par excellence – heute? Everybody’s Darling, mit noblem Tabak, Rauch, Zedernholz, das ganze Aficionado-Programm. Klar, Cassis, aber auch andere dunkle Beeren, Schokolade, alles feinfühlig zusammengefügt. Hut ab!

2004 Montes Alpha M, Montes:
22 Jahre auf dem Buckel – und kein zahnloser, tattriger Greis, sondern gereift wie George Clooney. Apropos Clooney: Duft nach frischem (N)Espresso! Dazu Tabak, Lakritz, ein Hauch Rauch, Cassis, Zitrusabrieb – einfach nobel.

1991 Don Melchor Private Reserve Cabernet Sauvignon, Concha y Toro:
Packt noch etwas Cassis aus, dazu Minze, Weihrauch, Cola, Leder – nicht das noble Ding zur Maserati-Massage, eher John-Wayne-Pferdesattel. Die Länge phänomenal, die Aura immer noch da.

2018 Late Harvest Sauvignon Blanc Reserva Privada, Concha y Toro:
Fruchtsalat vom Feinsten, angeführt von Grapefruit, Mango, Pomelo. Süffigsüsse Verführung für romantische Minuten – für Stunden bräuchte es mehr als nur ein halbes Fläschchen…

Donnerstag, 5. März 2026: Serie Bordeaux: St. Emilion Teil 2

Getrunkene Weine:

2019 Riesling Gottesfuss Alte Reben GG, Van Volxem:
120 Jahre alte wurzelechte Reben. Was für ein genialer Riesling! Edel, ohne angeberisch mit Fruchtsalven und Holz um sich zu werfen. Füllt den Raum, ohne sich anzubiedern. Jetzt gross. Morgen auch. In zehn Jahren erst recht.

1995 Château La Dominique:
Balsamische Würze, Leder und Lavendel. Im Nachhall lakritzig, schlank, leicht zehrend.

1998 Château La Tour Figeac:
Reife Früchte, balsamisch, Hauch von Efeu. Leicht grünes, mittellanges Finale. Ein Wein, dessen Duft mehr verspricht, als der Gaumen liefert.

2004 Château Quinault l’Enclos:
Umami, Schokolade, Lakritz, Waldboden und Kiefernadeln. Weit, vielleicht schon am Limit.

2006 Château Quinault l’Enclos:
Laktisch, schwarzbeerig, mit Noten von Kaffee und Nusshäutchen – saftig, zugänglich, ein Wein, der den Gaumen sanft füllt.

2000 Château Pavie Macquin:
Fruchtkompott, Tomatenmark, zerbrochene Schellackplatte, Blutorangen, Zedernholz, Tabak, Schokopulver. Klingt nach Chaos – schmeckt aber überraschend fein und könnte locker als Barossa-Shiraz durchgehen.

2003 Château Figeac:
Kaffee und Waldbeeren, durchzogen von Lanolin und einem Hauch Animalik, dazu ein Flüstern von Harz und überraschender Ameisenhaufen-Würze. Vollmundig, mit pelzigen Tanninen, die über die Zunge kriechen, und einem Abgang, der sehr lange nachklingt.

2005 Château Rol Valentin:
Schwarze Kirsche, Lakritz, Gewürze und ein Hauch Weihnachtsbäckerei – noch grün hinter den Tanninohren und etwas kantig. Mal sehen, wohin das Erwachsenenleben führt.

2011 Château Cote de Baleau:
Schwarze, etwas freudlose Frucht, Tabak, Kaffee und viel Grünzeug. Staubig, herb und leicht bitter – mehr mürrisch als spannend.

2015 Château Faugères:
Dunkle Beeren, Cassis, Lakritz, etwas Mandarine und ein laktischer Touch. Dicht und zupackend – die 15 % wärmen wie ein kleiner Heizlüfter.

2018 Château Trianon:
Schwarze Frucht, Tabak, vanilliertes Holz und ein kleines Feuer auf der Zunge. Dicht und geschniegelt – Charakter eher dünn gesät.

1976 Bordeaux Blanc doux, Maison A. de Luze:
Boskop, Kandiszucker, Vanille und ein bisschen alter Schrankduft, mit Safran in den Ecken. Wenig Süsse, versteckte Säure – naja, die besten Zeiten sind vorbei.