2023 Göttlesbrunn Weiss, Maximilian Pimpel (Carnuntum): Chardonnay baut das Fundament, Weissburgunder räumt auf. Birne, Blüten und eine feine Kräuterkante. Salziger, leicht bitterer Abgang.
2018 Riesling Ried Schreck, Stadt Krems (Kremstal): Der einzige Schreck beim Schreck: wie schnell die Flasche leer ist. Riesling mit saftigem Steinobst, einem Hauch Petrol und einer salzigen Mineralik, die bis zum letzten Schluck nachhallt. Macht Angst? Nur dem Vorrat im Keller.
2021 Riesling Kellermeister Privat Kremser Kremsleithen, Winzer Krems (Kremstal): Riesling mit ordentlich Spannung: Pfirsich und Zitrus in trauter Zweisamkeit, dazu eine Frohnatur von Säure. Der Restzucker winkt kurz durchs Fenster und verschwindet wieder. Was bleibt, ist ein kleines Prickeln auf der Zunge. Aber wer stört sich schon an ein paar Bläschen?
2021 Riesling Kremser Kreuzberg Reserve, Winzer Krems (Kremstal): Kreuzberg klingt so harmlos. Maracuja, Pfirsich und Limette nehmen dich erst freundlich in Empfang, bis die Säure um die Ecke kommt und dir die Mundwinkel strammzieht. Knackig, präzise, lang und mit salzigem Nachhall – aber definitiv nichts für Säurephobiker.
2018 Grüner Veltliner Ried Steiner Kögl Reserve, Rainer Wess (Kremstal): Der Kögl spart nicht mit PS. Überreife Ananas, Orangenzeste und ein Hauch Blüten rollen an – dann übernimmt der Alkohol freundlich, aber bestimmt das Steuer. Kraftpaket mit Würze. Nichts für Leichtmatrosen.
2019 Grüner Veltliner Fass 4, Bernhard Ott (Wagram): Fass 4? Klingt nach Lagerplatz. Schmeckt nach Präzisionsarbeit. Erst frisch gemähte Wiese, dann Zitrus, Apfel, eine Unmenge Mineralität und eine Balance, die kaum einen Millimeter verschenkt.
Tradition Heritage Cuvée 3 Years Edition 850, Schloss Gobelsburg (Kamptal): Drei Jahre? Schmeckt eher nach drei Jahrzehnten Erfahrung. Dieser Wein hat mehr Schichten als eine Winterzwiebel. Honig, Quitte, Nuss, Tee und dazu eine Mineralik, die alles zusammenhält. Fast ölig, aber mit genug Spannung, um nie behäbig zu werden.
2019 Riesling Ried Heiligenstein, Schloss Gobelsburg (Kamptal): Heiligenstein? Eher Heiliger Gral. Pfirsich, Aprikose, Frühlingsblumen, etwas Tee und eine Mineralik, die schnurgerade bis ins Finale marschiert. Geduld wird belohnt – Ungeduld aber auch.
2012 Grüner Veltliner Smaragd Kellerberg, Domaine Wachau (Wachau): Der Kellerberg stapelt tief – und haut dann doch ordentlich rein. Akazienhonig, Blüten, Zitronengras und Heu. Dichte Textur, genug Säure, damit nichts schwer wirkt. Kraft mit Manieren.
2001 Honivogl Grüner Veltliner Smaragd, Franz Hirtzberger (Wachau): 2001? Damals war das Internet laut und Handys hatten Antennen. Dieser Honivogl dagegen wirkt, als hätte ihn die Zeit einfach vergessen. Honig, Zitronenmelisse, Kümmel, Pfirsich und bestimmt auch Botrytis. Cremig, lang und erstaunlich lebendig. Ein Wein, der dem Alter freundlich zuwinkt und einfach weitermacht.
2005 St. Laurent Reserve Alte Reben, Johanneshof Reinisch (Thermenregion): Banane, Zwetschgenkompott, Rosinen und Tomatenmark. Nein danke. Ich nehme den Tee.
2019 Pinot Noir Krems, Rainer Wess, Kremstal: Morgens im Wald: feuchte Erde, rote Beeren, ein paar Blumen und irgendwo glimmt noch das Lagerfeuer. Elegant, salzig und schnurgerade bis ins Finale. Mehr Mineralik als Fruchtgeprotze.
2017 Blaufränkisch Ried Spitzerberg, Dorli Muhr (Carnuntum): Spitzerberg? Klingt nach Bergtour. Schmeckt auch so. Waldboden, Tee, Kräuter und eine Prise Bärendreck. Straff, salzig und mit einer Säure, die den Weg weist. Kein Spaziergang – eher Gipfelsturm.
2021 Batonnage, Wild Boys Club of Batonnage (Neusiedlersee): Batonnage? Der Name verspricht Aufruhr. Im Glas noch eher Baustelle. Brombeeren, Zimt und dunkle Würze, dazu Tannine mit Sandpapier-Faktor. Viel Kraft, viel Potenzial – aber aktuell eher Training als Triumph. Der rote Skorpion auf dem Etikett hat seinen Stachel noch nicht eingezogen.
1998 TBA Gelber Muskateller, FX Pichler (Wachau): 1998? Da redet jeder vom ersten Unendlich. Ich nicht. Magenbrot, Kandiszucker, fermentierte Walnüsse und Pumpernickel. 6,5 % Alkohol, aber eine Säure, die alles trägt. Süss wie eine Versuchung – und so surreal, als käme der Wein von einem anderen Planeten.
Erschwerte Bedingungen halten den Weinklub auf Trab – 3mal Tischverschiebetlis