Donnerstag, 9. April 2026: Schweizer Rheintal

Tausend Dank, liebe Brigitte und lieber Benjamin, für diesen Wahnsinns-Abend! Feines Essen, grandiose Wein – alles hat gepasst!

Getrunkene Weine:

2013 Comtes de Champagne Grands Crus Blanc de Blancs, Taittinger:
Dieser Champagner schwebt ins Glas wie ein geschniegelt-verträumter Dandy im Elfenbeinfrack: Frühlingsblumen hauchen ihm Parfum auf den Revers, cremige Fülle legt Samt unter jeden Schritt, und irgendwo knistern Senfkörner wie ein pikantes Geheimnis im Séparée.Das ist keine blosse Harmonie, sondern ein lasziv orchestriertes Stelldichein aus Finesse und Grandezza – schlicht fantastisch, als hätte ein exzentrischer Poet den Frühling verführt und ihn in Perlage abgefüllt.

2021 Saignée, Thomas Studach:
Wer hier nach Komplexität fahndet, sucht in der Boudoir-Kommode nach Philosophie, denn dieser Wein will nicht diskutieren, sondern lieber charmant zwinkern, lasziv schnurren und mit schrulligem Charme direkt ins Herz stolpern – was ihm, bei aller koketten Mühelosigkeit, nicht so recht gelingen will.

2019 Chardonnay, Bovel Daniel & Monika Marugg:
Erst haucht er Vanille und Zuckerbude, als wollte er etwas Verruchtes versprechen, liefert dann aber nur Birne und etwas Alibi-Zitrus. Die überraschende Säure spielt kurz die Domina, doch die mittlere Fülle bleibt brav auf dem Sofa. Hinten etwas Salz, viel Pose – am Ende leider mehr Flirt als Feuer. Ganz nett, aber nichts, wofür man sündigen müsste.

2019 Chardonnay Unique, Donatsch:
Der Chardonnay Unique wirkt wie eine nächtliche Gebirgslandschaft unter Sternenlicht, in der das Gestein zu sprechen beginnt: tief, rein und kühl aufgeladen, würzig-mineralisch bis in die feinsten Verwerfungen. Birne und Zitrone zucken wie elektrische Sternbilder über den Himmel, während ein Hauch Brennnesseltee warm aus einer fernen Berghütte herüberglimmt.

2020 Chardonnay, Thomas Studach:
Buttrige Cremigkeit, reife Frucht und feine Kräuterwürze spielen hier nicht auf dicke Hose, sondern auf lässige Präzision. Alles bleibt geschmeidig, elegant und herrlich unaufgeregt, bis der Wein im Finish plötzlich zeigt, wie lang und souverän er wirklich ist – erst tadellos poliert, dann mit offenem Hemd bis zum Bauchnabel.

2019 Chardonnay, Daniel & Marta Gantenbein:
Gantenbein Chardonnay: eine einzige Hektare Geduld, Kontrolle und stiller Luxus – und glücklich, wer davon ein Fläschchen erwischt. Mineralisch wie ein Chablis mit kaltem Stein im Rücken, dazu diese seidige Meursault-Opulenz in der Frucht, und darüber ein leiser Blumenwind aus der Bündner Herrschaft. Alles perfekt austariert, nichts laut – eher grosse Klasse im Flüsterton als irgendein Spektakel.

2000 Completer, Giani Boner:
Von angeschlagenem Apfel über Sherrynoten bis hin zu Salz – mehr als nur ein Gruss aus dem Vin-Jaune-Paradies des Jura. Die Säure scharf wie ein Schweizer Sackmesser, der salzige Abgang bleibt zurück wie eine ferne Meeresbrise, die sich in die Bündner Berge verirrt hat.

2018 Malanserrebe Completer, Donatsch:
Die Nase zeigt sich anfangs noch etwas zugeknöpft, während es am Gaumen von Beginn weg zu und her geht wie in einem Bienenhaus. Druck wie zehn Kilo Popcorn beim Aufplatzen – und während man noch begeistert über Sinn und Unsinn dieses Gaumendrucks nachdenkt, kehrt auch die Nase aus ihrem Exil zurück und zeigt jene Noten, die es nur im Completer gibt. Welche? Finde es selber heraus.

2018 Churer Completer, von Tscharner:
Riecht floral – Rosenseife könnte ein Volltreffer sein. Aprikosen, frisch gepflückt, Quittenpaste, luftig leicht – bis der Gaumen kommt und dich mit 16% Alkohol erst glauben lässt, das sei alles harmlos, um dich im nächsten Moment mit der Eleganz eines höflichen Vorschlaghammers daran zu erinnern, dass das hier kein Aperitif ist.

2024 Pinot Noir, Bovel Daniel & Monika Marugg:
Dunkle Frucht, Efeuranken, ein leicht bitteres Finale. Eher Plättliwein als Vorzeige-Fläscher.

2019 Pinot Noir Intus, Bovel Daniel & Monika Marugg:
Intus will rein: Kräuter, Süssholz und rote Früchte drängen sich schon in der Nase vor. Am Gaumen dann saftig und erstaunlich zugänglich, bevor er sich im langen Abgang trocken nach innen faltet und dort hartnäckig nachhallt.

2013 Pinot Noir Unique, Donatsch:
Zimt, Orangenabrieb, Leder, Würze, rote und schwarze Beeren – Opulenz küsst Eleganz. Samtiges, ellenlanges Finale. Burgund, nicht Burgund, Burgund, nicht Burgund – egal: so oder so einer dieser Weine, bei denen man vergisst, wo man ist, und nur noch weiss, dass die Schweiz ganz vorne mitspielen kann.

2019 Pinot Noir Unique, Donatsch:
Verführerisch – ein Charmebolzen, der dich erst bezirzt, dann umgarnt und dir am Ende so elegant den Kopf verdreht, dass du ihm fast einen Heiratsantrag machst. Irgendwo zwischen kühler Bündner Luft und warmem Nachhall bleibt nur noch ein entspanntes, stilles Lächeln.

2019 Pinot Noir, Gantenbein:
Aromatische Nase mit viel Holz, feiner roter Beerenfrucht, dunkler Gewürzmischung und einem Hauch Blutorange. Stoffig und präzis, noch ganz am Anfang seiner Trinkreife, mit feinsalzigem Finale und dieser kühlen Ruhe, die nur grosse Pinots ausstrahlen.

2001 Pinot Blanc, Gantenbein:
Ein wunderbar funky Süsswein aus jener kurzen, fast schon vergessenen Zeit, als bei Gantenbein noch Pinot Blanc wuchs. Kandiszucker, Apfelringli und getrocknete Aprikosen ziehen wie Erinnerungen durch den Duft, daneben Eistee, dann plötzlich Mirabellen, als würde irgendwo zwischen spätsommerlichen Rebzeilen noch einmal Licht aufblitzen. Das süsse Finale steht lange am Horizont, warm und golden wie ein Abend, der nicht enden will.

1985 Riesling Eiswein Eitelsbacher Karthäuserhofberg Kronenberg, Karthäuserhof:
Petrol, Pfirsich, Honig – und eine Säure, die der Süsse das Genick bricht und sich so tief in die Zahnhälse frisst, dass sie noch Tage später protestieren.

Donnerstag, 2. April 2026: Ai like Ostern – aia – aja – aya – aia popaja

Getrunkene Weine:

2019 Blanc de Blancs A/19 Extra-Brut, Champagne Ayala:
100% Chardonnay. Zitrusnoten, dezent blumig, am Gaumen nicht wirklich intensiv, fast süssliches Finale. Am Ende fehlt der letzte Kick

2023 Pleo Gavi, La Raia (Piemont, Italien):
Würzig, blumig, Steinobst und Zitrusfrucht, mit frischer Säure, leicht süsslich, mineralisches Finale.

2019 Riesling Kirchberg GG, Heymann-Löwenstein (Mosel, Deutschland):
Honig umgarnt Weinbergspfirsich, dazu reifes Obst in Hülle und Fülle. Für einen Moselaner fast ungewohnt gewichtig, doch die lebhafte Säure bringt alles elegant ins Lot. Langes, mineralisches Finale.

2017 Gaia Clare Valley, Grosset (Clare Valley, Australien):
Zuviel Karamell, kompottig, zu rund – etwas mehr Ausstrahlung hätte nicht geschadet.

2021 La Viña de Amaya Viñas Viejas, Rodriguez Sanzo (Toro, Spanien):
Schwarzäldertorte, Kakao – die Süsse und die Tannine reden aneinander vorbei. Ein Schuss Lackstich wirft im mittellangen Abgang die Augenbraue hoch.

2019 Cayas Réserve Syrah, Jean-René Germanier (Wallis, Schweiz):
Balsamisch, pfeffrig, süsse Brombeeren, rund und samtig – hier gähnt nichts, alles tanzt. Langes Finale, das einem nachwinkt.

2005 Vacqueyras Réserve,  Château des Tours (südliche Rhône, Frankreich):
Eukalyptus, Blutorange, Blut, Oliven, Himbeeren – ein sinnlicher Wirbelsturm in der Nase. Mineralisch, erdig, magisch, mit einem seidigen Finale, das scheinbar nie enden will. Mehr als ein Hauch Rayas.

2018 Terreus Paraje de Cueva Baja, Bodegas Mauro (Castilla y León, Spanien): Schwarze, pralle Frucht, dunkle Schokolade, ein Hauch Laktik – dicht und konzentriert, mit der Wucht eines Grizzlys auf Beutezug, dabei vollmundig und ultralang wie ein Kraftpaket in Samthandschuhen.

2005 Il Blu, Brancaia (Toskana, Italien):
Hier hat Maggi die Überhand gewonnen und spielt seine Dominanz gnadenlos aus: Alles ausser Maggi muss man erahnen – deshalb ab in den Ausguss.

2018 Magari Ca’Marcanda, Gaja (Toskana, Italien):
Einer der schlimmsten TCA-Fälle in der Weinclub-Geschichte – selbst das Glas musste danach in Quarantäne, so schrecklich roch es nach Kork.

1999 Lupicaia, Castello del Terriccio (Toskana, Italien):
Noch erstaunlich fit, mit Lakritz, Cola, Kaffee, Tabak und Tee. Die Mischung aus Staub und Samt kitzelt angenehm am Gaumen und schickt einen verträumt auf eine kleine Zeitreise zurück ins 1999.

2017 Petraia, Uggiano (Toskana, Italien):
Nasser Hund, feuchte Efeuranken, Holz, das zu sehr im Vordergrund wildert – schwülstig und üppig, aber ohne jede Persönlichkeit.

2016 Coltassala Chianti Classico Gran Selezione, Castello di Volpaia (Toskana, Italien):
Reife dunkle Kirschen, Minze, Cola, Lakritz, Blutorange – stoffig, fleischig, mit einem Anflug an dunklen Maggiwolken. Langes Finale, das Druck macht und nicht locker lässt.

2016 Caiarossa, Caiarossa (Toskana, Italien):
Cassis, Kirschen, kräutrig, fein würzig – dichte Tannine, saftig und geschmeidig, doch mit genug Dreck unter den Fingernägeln, um bis ins lange Finale spannend zu bleiben.

1970 Barbaresco, Gaja (Piemont, Italien):
Das riecht herrlich nach Bündner Fleisch, Teer, Blumen, Blutorangen und Tabak. Ein Nebbiolo wie Mick Jagger: in Würde gealtert, aber immer noch voller Bühnenpräsenz.

2019 Sassicaia, Tenuta Sam Guido (Toskana, Italien):
Ein sehr guter Wein, auch wenn der Schatten von Sassicaia 1990 und Gaja Barbaresco 1970 lang über ihm liegt. Vornehme Zurückhaltung, Würze, Asche, Tabak, Zedernholz, am Gaumen ein Hauch von Grün. Sehr langes, prägendes Finale.

1990 Sassicaia, Tenuta San Guido (Toskana, Italien):
Seidenweich wie das Foulard meiner ersten Liebe, duftet nach italienischem Espresso, selbst Frucht zeigt noch Präsenz. Tabak schleicht sich heran, dazu Walderde, Pilz und Leder. Das ist kein Wein, das ist Erinnerung in flüssiger Form.