Donnerstag, 29. Januar 2026: Toscana – Spuren der Weinreise

Getrunkene Weine:

2024 Vermentino Bolgheri, Casa di Terra:
Zitrus und Blümchen auf Instagram-Filter. Frische okay, Säure brav, Abgang mittellang mit leicht kitschiger Zuckerwatte. Nett – aber bleibt brav auf der Eckbank sitzen.

2021 Poggio alle Gazze dell’Ornellaia, Ornellaia:
Bolgheri-Baukasten deluxe: Pfirsich, Mango, Limette – alles auf Anschlag. Saftig, vollmundig, frisch auf Hochglanz poliert, mit Mineralik-Feigenblatt und langem Finale. Will gefallen. Tut’s auch.

2023 Mosaico Bolgheri, Casa di Terra:
Merlot im Flirt mit dunklen Früchten und Gewürzen. Am Gaumen ein Tiger mit eingezogenen Krallen – wild im Biss, schnurrend im Abgang.

2021 Maronea Bolgheri Superiore, Casa di Terra:
Cabernet Sauvignon mit Tabak, Kaffee und dunklen Beeren, verziert mit ein paar Blumen. Am Gaumen eine Powerbombe, die lange nachklingt – Feuerwerk mit Afterparty im Mund.

2022 Casa di Terra Bolgheri Superiore, Casa di Terra:
Cabernet Franc, so dunkel wie ein geheimnisvoller Abend, mit Beeren, Tabak und Gewürzen, die einem auf der Zunge Knoten in die Fantasie legen. Am Ende verneigt er sich nobel – doch die Gewürze tuscheln noch heimlich weiter.

2020 Orma Toscana, Orma:
Ein modernes Geschoss, das Schwarzkirschenmarmelade, Pflaumen, Nelken und Tabak im Schleudergang serviert. Am Gaumen wuchtig, endet so lang und mit so viel Druck, dass dein Gaumen noch Überstunden macht, während dein Kopf applaudiert

2006 Guado al Tasso Bolgheri Superiore, Antinori:
Nobel, reif, raffiniert, mit Blumen im Haar und erdigen Tönen auf der Haut. Am Gaumen so glänzend, dass du dich darin spiegeln kannst… und heimlich wünscht, du hättest ein Selfie-Stick dabei.

2000 Gabbro, Montepeloso:
Jünger wirkend, als er tatsächlich ist. Schwarze Früchte blitzen wie Neonlichter, ein Holzkohle-Zug donnert vorbei, und der Wein kokettiert am Gaumen mit einer Süsse, die dir Gänsehaut verpasst… während dein Gehirn wild „Encore!“ schreit.

2003 Carmignano Piaggia Riserva, Mauro Vanucci:
Maggi hat das Szepter übernommen: Im Suppentopf ein Genie, im Glas leider nur Brühwürfel-Poesie.

2011 Colledilà Chianti Classico Gran Selezione, Ricasoli:
Kaffee, Dörrobst, Maggi. Der Zenit ist hier Archäologie.

2020 Brunello di Montalcino, Poggio Alle Forche:
Kein Blender, kein Getöse: rote Früchte, Marzipan, Lakritz und ein frecher Kaffeeklacks schleichen nobel über die Zunge. Dann packt dich ein griffiges, langes Finale am Kragen und lässt dich leicht eingeschüchtert zurück.

2022 Pinot Nero Toscana Vini Franchetti Sancaba, Tenuta di Trinoro:
Pinot Nero als Bud Spencer: knallt dir so kräftig auf die Rübe, dass dir Hören und Trinken vergeht. Karamell, Rauch und ein Schuss Joghurt – viel zu heftig für meine zarten Pinot-Nerven.

Unsere Weingruppe bei Gagliole in Panzano

Donnerstag, 22. Januar 2026: Serie Bordeaux: St. Emillion

Getrunkene Weine:

2020 Riesling Kirchspiel, Seehof (Rheinhessen, Deutschland):
Kirchspiel – Kirche im Glas? Eher stiller Gottesdienst. Aus dieser Toplage müsste mehr drin sein – Keller, Groebe und Wittmann zeigen, wie’s geht.

1996 La Serre:
30 Jahre alt und noch erstaunlich fit. Frucht hängt noch rum, Säure beisst etwas, Abgang schmeckt wie Omas altes Besteck. Dennoch: überraschend knackig für’n Oldie!

2012 Petit-Figeac:
Würzig, unkompliziert, dunkle Schoki mischt mit. Kein Riese, aber hey – kostet nur einen Bruchteil vom Big Boss.

2000 Clos Dubreuil:
Reifeprüfung: bestanden. Mokka, Kirsche, reife Eleganz. Vollmundig, geschmeidig, verführerisch brav – der Gentleman unter den Weinen.

2001 Grandes Murailles:
Frisch wie aus der Zeitkapsel. Reife Kirschen, Lakritz. Saftig, lebendig, tolle Säure, lange Bühne – Gefällt!

2003 Péby Faugères:
Wuchtig, aber verführerisch frisch. Schmeichelt, umgarnt, flüstert lasziv: Nimm mich, trink mich – pure Hingabe im Glas.

1999 La Mondotte:
Feinster Kaffee trifft reife Waldbeeren. Vollmundig ohne Macho-Allüren, wunderbar harmonisch – was für eine Überraschung.

2009 Grand Mayne:
Schwarze Beeren und Zedernholz liefern ein Wettrennen im Glas, Graphit schleicht sich frech mit ins Feld. Tannine und Säure geben sich die Hand, und der Abgang dauert so lang, dass man fast eine Kaffeepause einlegen könnte.

1981 Cheval Blanc:
Pfeffrig, voller Cabernet-Franc-Attitüde. Rote Beeren und Tannennadeln spielen Völkerball auf der Zunge, die Tannine pfeifen die Regeln – und das Finale? Ein majestätischer Nachschlag, für den man dem Wein heimlich dankt.


Donnerstag, 15. Januar 2026: JURA – frisch entkorkt und nicht gemahlen…

Getrunkene Weine:

2018 Crémant du Jura blanc brut Montboisie, Fruitière Vinicole d’Arbois:
Ein Blütenstrauss mit Tropenurlaub, der so heftig im Näschen kitzelt, dass man kurz „Allergie?“ denkt. Am Gaumen dann eher Dessertdate als Frischekick – eindeutig auf der zu süssen Seite der Versuchung.

2020 Pinot Noir Les Ratenets, Domaine Ruedin (Neuenburg, Schweiz):
Seit Tatasciore hier zaubert (2020 erstmals Chef im Weinberg), gibt’s Pinot mit Fruchtsüsse, Zimt und ordentlich Hüftschwung. Trinkt sich schneller weg, als man „Ratenets“ lallen kann.

2018 Pinot Noir Collection Signature  Elevé en Barrique, Bouvet-Jabloir (Neuenburg, Schweiz):
Üppig, glänzend, poliert wie ein Möbelstück – riecht auch genau so. Dunkle Beeren, Kräuter, fleischiger Gaumen, leicht bitteres Finale. Putzt dir den Mund wie ein Mikrofasertuch.

2018 Côtes du Jura Chardonnay Fut, Fruitière de Voiteur:
Nicht aufgefüllt, nicht geschönt – pur oxidativ. Nussig, medizinal, alles in allem okay, aber ein bisschen eindimensional; etwas mehr Dramaqueen hätte gutgetan.

1975 Château-Chalon 1er Grand Cru des Vins Jaunes, Fruitière de Voiteur.
Brennsprit meets Vanillekipferl – er tanzt kurz auf dem Tisch, klappt dann den Schirm zu und flüstert: „Wer traut sich?“

1998 Arbois Vin Jaune, Domaine Jean-Louis Tissot:
Shiitake kuschelt im Heu, Nüsse und Würze tanzen Limbo – er donnert herein und bleibt ewig, ein komplett durchgeknalltes Wein-Monster.

2012 Arbois Vin Jaune, Rolet Père et Fils:
Kuschelt sich cremig auf die Zunge, zwinkert mit Brioche-Noten und erinnert dabei heimlich an Hunter Valley-Semillon, bevor er warm und vollmundig ausrollt.

2012 Arbois Vin Jaune Arbois, Jacques Puffeney:
Ein Vin Jaune wie ein Apotheken-Konzert mit Walnuss-Soli und einem Hauch Curry-Feuerwerk – betörend anders, berauschend brillant. Mit genialer Säure schiesst das Finale heran wie stehender Applaus nach einer Geschmacksexplosion, die man nie vergisst.

2011 Vin Jaune Arbois Cuvée de la Confrérie, Lucien Aviet et Fils:
Startet mit Curry-, Nuss- und Pilznoten, Karamell und Zitrus – ein Geschmack, der sofort umarmt und nicht mehr loslässt. Enorm salzig, meistert er seine 16 % wie ein Akrobat und rast durchs Finale wie ein Bulldozer auf der Überholspur.

2011 Château-Chalon, Domaine Macle:
Riecht, als hätte sich ein Islay-Whisky heimlich als Château-Chalon verkleidet: Torfrauch, Algen, Salz – meine Güte, das ist Jura auf interstellarem Abweg. Herrlich unvernünftig und so weit weg vom Mainstream, dass der Mainstream höflich um Verzeihung bittet.

2005 Château-Chalon, Domaine Macle:
Harmonisch wie eine Ehe, die seit 60 Jahren streitet und trotzdem hält – dabei so perfekt ausbalanciert wie nur möglich. Mehr Druck als beim ersten Treffen mit den Schwiegereltern und mehr innere Spannung als ein jahrzehntelang gehütetes Familiengeheimnis.




Château-Chalon (2022)

Book an appointment with MeinWeinkeller