Donnerstag, 17. September 2026: Inselweine

Getrunkene Weine:

2024 Kima Cataratto, Possente (Sizilien):
Sizilien im Streichholzmodus: Zitrus auf Melonenschnitz, herbwürzig und mit leichtem Prickeln auf der Zunge. Kein Opernstoff, aber als Aperöler gerade noch auf der Gästeliste.

2024 Quojane di Serramarrocco Zibibbo, Barone di Serramarrocco (Sizilien):
Blütenparfüm trifft Grapefruit und Kumquat – frisch, würzig, mit ordentlich Zitrus und einem Hauch zu viel aufgesetztem Charme.

2025 Lillo Grillo, Caruso & Minini (Sizilien):
Birnendrops und Ufobonbon, dazu würzige Zitrone und ein Hauch Mineralik. Aromatisch zwischen Bonbonladen und Rebberg – hinten raus übernimmt die Bittermandel das Kommando.

2020 Audarya Vermentino, Camminera (Sardinien):
Sardinien im Kräutergarten: Kamille, Macchia, Brennnessel und Zitrus – trocken und frisch, bis hinten raus einer den Kübel Akazienhonig umkippt.

2017 Cuvée Evdemon Assyrtiko, Argyros (Santorini, Griechenland):
Santorini pur: Amalfi-Zitrone, Feuerstein, Oregano und Salz, dazu eine Säure wie ein Stromschlag. 2017 auf dem Etikett, Rasierklinge im Glas – wer braucht schon Botox, wenn man Assyrtiko hat?

2020 Rosé YL Nielluciu, Yves Leccia (Korsika):
Streichholz, rote Beeren, Grapefruit und Butter – straffe Säure, balsamisches Teebaumöl. Korallenrosa, aber Stahlbeton im Rückgrat: Korsika schenkt keinen Schminkrosé ein.

2005 Terre Brune Carignano del Sulcis, Santadi (Sardinien):
Sardinien in der dunklen Ecke: Pflaumen, Rumtopf, Schokolade, Lakritze und Tabak – würzig, strukturiert und mit langem Abgang. Kein Strandurlaub, eher ein Besuch im sardischen Schwarzmarkt für Süssholz und Zwetschgen.

2001 Ribeca Perricone, Firriato (Sizilien):
Dörrfrucht, Sojasauce, Tomatenpüree und Rauchspeck – Sizilien trifft Altersheimküche. Der Ätna raucht noch, der Wein ist schon unten.

1996 Ceuso Vigna Custera, Ceuso (Sizilien):
Waldboden, Leder, Tabak, Harz und Animalik – Sizilien im Vintage-Modus, dunkle Frucht nur noch auf Stippvisite. Das Finale zehrt aus wie ein Ferienbudget am letzten Urlaubstag.

2018 Passorosso Etna Nerello Mascalese, Passopisciaro (Sizilien):
Rote Beeren, Kirschen, Tabak und Tee – klingt nach Ätna, trinkt sich aber eher wie ein Vulkan auf Stand-by. Die Säure hat heute frei, die Länge macht pünktlich Feierabend.

2015 Calderara Sottana Nerello Mascalese Etna Rosso, Tenuta delle Terre Nere (Sizilien):
Kirsche, Blutorange, Kräuter und Zimt – balsamisch, druckvoll und mit ordentlich Zug nach hinten. Der Ätna liefert: Hier wird nicht gespuckt, hier wird nachgeschenkt.

2019 Sestal, Ses Talaioles (Mallorca):
Brombeeren, dunkle Kirschen und Quittengelee – ordentlich Druck, aber etwas sperrig auf der Brust. Mallorquinischer Muskelprotz: Die Süsse ist Phantom, die Muckis sind echt.

2019 Premier Vin, Son Mayol (Mallorca):
Sauerkirsche, Pflaumenmus, Schokolade und Pfeffer – Mallorcas Antwort auf die Frage, ob Samthandschuhe auch Boxhiebe austeilen können. Modern, druckvoll und mit ordentlich Pfeffer im Hintern.

2016 4 Kilos Callet, 4 Kilos (Mallorca):
Johannisbeere, Himbeersirup, Bitterorange und Campari – rote Frucht trifft Kräuterapotheke, leichtfüssig und mit balsamischem Langstreckenlauf. 4 Kilos? Klingt nach Übergewicht, ist aber mallorquinische Leichtathletik.

2014 Gran Veran, Finca Biniagual (Mallorca):
Wenn Kokos, Karamell und Tomatenmark eine wilde Nacht verbringen, liegt am Morgen dieser Wein im Bett.

2012 Vinsanto 4 years Barrel aged, Argyros (Santorini, Griechenland):
Feigen, Datteln und Orangenschale – süsses Früchtchen mit säuerlichen Hintergedanken. Santorinische Süssholz-Affäre: erst unschuldig auf der Zunge, dann geht’s im Abgang zur Sache.