Getrunkene Weine:
2024 Vermentino Bolgheri, Casa di Terra:
Zitrus und Blümchen auf Instagram-Filter. Frische okay, Säure brav, Abgang mittellang mit leicht kitschiger Zuckerwatte. Nett – aber bleibt brav auf der Eckbank sitzen.
2021 Poggio alle Gazze dell’Ornellaia, Ornellaia:
Bolgheri-Baukasten deluxe: Pfirsich, Mango, Limette – alles auf Anschlag. Saftig, vollmundig, frisch auf Hochglanz poliert, mit Mineralik-Feigenblatt und langem Finale. Will gefallen. Tut’s auch.
2023 Mosaico Bolgheri, Casa di Terra:
Merlot im Flirt mit dunklen Früchten und Gewürzen. Am Gaumen ein Tiger mit eingezogenen Krallen – wild im Biss, schnurrend im Abgang.
2021 Maronea Bolgheri Superiore, Casa di Terra:
Cabernet Sauvignon mit Tabak, Kaffee und dunklen Beeren, verziert mit ein paar Blumen. Am Gaumen eine Powerbombe, die lange nachklingt – Feuerwerk mit Afterparty im Mund.
2022 Casa di Terra Bolgheri Superiore, Casa di Terra:
Cabernet Franc, so dunkel wie ein geheimnisvoller Abend, mit Beeren, Tabak und Gewürzen, die einem auf der Zunge Knoten in die Fantasie legen. Am Ende verneigt er sich nobel – doch die Gewürze tuscheln noch heimlich weiter.
2020 Orma Toscana, Orma:
Ein modernes Geschoss, das Schwarzkirschenmarmelade, Pflaumen, Nelken und Tabak im Schleudergang serviert. Am Gaumen wuchtig, endet so lang und mit so viel Druck, dass dein Gaumen noch Überstunden macht, während dein Kopf applaudiert
2006 Guado al Tasso Bolgheri Superiore, Antinori:
Nobel, reif, raffiniert, mit Blumen im Haar und erdigen Tönen auf der Haut. Am Gaumen so glänzend, dass du dich darin spiegeln kannst… und heimlich wünscht, du hättest ein Selfie-Stick dabei.
2000 Gabbro, Montepeloso:
Jünger wirkend, als er tatsächlich ist. Schwarze Früchte blitzen wie Neonlichter, ein Holzkohle-Zug donnert vorbei, und der Wein kokettiert am Gaumen mit einer Süsse, die dir Gänsehaut verpasst… während dein Gehirn wild „Encore!“ schreit.
2003 Carmignano Piaggia Riserva, Mauro Vanucci:
Maggi hat das Szepter übernommen: Im Suppentopf ein Genie, im Glas leider nur Brühwürfel-Poesie.
2011 Colledilà Chianti Classico Gran Selezione, Ricasoli:
Kaffee, Dörrobst, Maggi. Der Zenit ist hier Archäologie.
2020 Brunello di Montalcino, Poggio Alle Forche:
Kein Blender, kein Getöse: rote Früchte, Marzipan, Lakritz und ein frecher Kaffeeklacks schleichen nobel über die Zunge. Dann packt dich ein griffiges, langes Finale am Kragen und lässt dich leicht eingeschüchtert zurück.
2022 Pinot Nero Toscana Vini Franchetti Sancaba, Tenuta di Trinoro:
Pinot Nero als Bud Spencer: knallt dir so kräftig auf die Rübe, dass dir Hören und Trinken vergeht. Karamell, Rauch und ein Schuss Joghurt – viel zu heftig für meine zarten Pinot-Nerven.

