Getrunkene Weine:
2020 Riesling Kirchspiel, Seehof (Rheinhessen, Deutschland):
Kirchspiel – Kirche im Glas? Eher stiller Gottesdienst. Aus dieser Toplage müsste mehr drin sein – Keller, Groebe und Wittmann zeigen, wie’s geht.
1996 La Serre:
30 Jahre alt und noch erstaunlich fit. Frucht hängt noch rum, Säure beisst etwas, Abgang schmeckt wie Omas altes Besteck. Dennoch: überraschend knackig für’n Oldie!
2012 Petit-Figeac:
Würzig, unkompliziert, dunkle Schoki mischt mit. Kein Riese, aber hey – kostet nur einen Bruchteil vom Big Boss.
2000 Clos Dubreuil:
Reifeprüfung: bestanden. Mokka, Kirsche, reife Eleganz. Vollmundig, geschmeidig, verführerisch brav – der Gentleman unter den Weinen.
2001 Grandes Murailles:
Frisch wie aus der Zeitkapsel. Reife Kirschen, Lakritz. Saftig, lebendig, tolle Säure, lange Bühne – Gefällt!
2003 Péby Faugères:
Wuchtig, aber verführerisch frisch. Schmeichelt, umgarnt, flüstert lasziv: Nimm mich, trink mich – pure Hingabe im Glas.
1999 La Mondotte:
Feinster Kaffee trifft reife Waldbeeren. Vollmundig ohne Macho-Allüren, wunderbar harmonisch – was für eine Überraschung.
2009 Grand Mayne:
Schwarze Beeren und Zedernholz liefern ein Wettrennen im Glas, Graphit schleicht sich frech mit ins Feld. Tannine und Säure geben sich die Hand, und der Abgang dauert so lang, dass man fast eine Kaffeepause einlegen könnte.
1981 Cheval Blanc:
Pfeffrig, voller Cabernet-Franc-Attitüde. Rote Beeren und Tannennadeln spielen Völkerball auf der Zunge, die Tannine pfeifen die Regeln – und das Finale? Ein majestätischer Nachschlag, für den man dem Wein heimlich dankt.
