Getrunkene Weine:
2022 Montlouis Brut Nature Méthode Traditionnelle, François Chidaine:
100 % Chenin. Hibbelig und komplett ohne Zuckerwatte. So knacktrocken, dass man fast schon wieder Durst bekommt.
2023 Anjou Chenin Blanc, Clau de Nell:
Litschi, Ananas, Hagebutten – und dann dreht die Säure auf Crescendo. Chenin Blanc mit klassischem „Ich bin noch lange nicht fertig“-Syndrom.
2018 Chenin Blanc Clos de la Cerisaie Saumur, Mélaric:
Grapefruit, Kumquat, Salz ohne Ende – dieser 2018er hat offenbar nicht nur im Meer übernachtet, sondern dort gleich noch ein Zimmer genommen.
2021 Chenin Blanc Savennières Clos de la Hutte, Thibaud Boudignon:
Am Anfang macht er auf verschlossene Auster, später blitzen Zitronenzesten, Grapefruit und weisse Blüten durch – dieser Chenin braucht Anlauf, aber dann wird’s verdammt fein.
2023 Sancerre d’Antan, Henri Bourgeois:
D’Antan – klingt nach früher, schmeckt aber erstaunlich frisch: Stachelbeere, weisser Flieder, etwas Mineralik und am Gaumen eine saftig-grüne Grasnummer.
2022 Menetou-Salon Domaine de Champarlan, David & Luc Girard:
Limette, Zitrus, Kreide – Sauvignon Blanc ohne Firlefanz. Saftig und so geradlinig, dass selbst Sancerre kurz neidisch rüberschielt.
2017 Nuit Blanche Pouilly-Fumé, Domaine de Maltaverne:
Nuit Blanche? Eher nicht – mineralisch, straff und salzig, aber hinten raus macht der Wein dann doch langsam das Licht aus.
2019 Blanc etc Pouilly-Fumé, Louis Benjamin Dagueneau:
Blanc etc – Sauvignon Blanc im Hochpräzisionsmodus: glasklar, straff, salzig und mit so viel Mineralik, dass selbst der Feuerstein nervös wird.
2023 Pinot Noir Belle Dame Sancerre, Domaine Vacheron:
Belle Dame – Sancerre kann also auch Rot. Kühl, saftig, elegant und blitzsauber unterwegs – nur für die ganz grosse Romanze fehlt am Ende ein kleines Kapitel.
2016 Cabernet Franc Senseï Saumur, La Source du Ruault Saumur:
Heidelbeere im Mund, grüner Sturkopf im Kopf – dieser Cabernet Franc hat offenbar nie gelernt, sich beliebt zu machen.
2016 Cabernet Franc Chinon, Château de Saint Louans:
Viel Holz, laktisch, ätherisch – klingt nach Wellness, schmeckt aber eher nach Sitzungszimmer. Cabernet Franc mit erstaunlich wenig Lust auf Unterhaltung.
2024 Cabernet Franc Anjou, Clau de Nell:
Viel Frucht, viel Dropsigkeit, wenig Tiefgang – der Cabernet Franc macht auf charmant, bleibt dabei aber ziemlich an der Oberfläche.
2018 Négrette Grenouillère Préphylloxérique, Jérémie Mourat:
Erdig, frisch, authentisch – und hinten raus noch Orangenzeste. Kein Blender, kein Schminkkoffer, einfach ein ziemlich eigenwilliger Kerl.
2011 Clos de Sainte Catherine Côteaux du Layon, Domaine des Baumard:
Wachs, gedörrte Aprikose, Orangenzeste – ein süsser alter Hase, der erstaunlicherweise noch ziemlich viel Pfeffer im Hintern hat.
1996 Coteaux du Layon Sélection de Grains Nobles, Domaine Philippe Delesvaux:
Viel Safran, Orangenmarmelade und Quitte – dieser alte Goldjunge hat offenbar beschlossen, nicht zu altern, sondern sich einfach einzudicken.

