Donnerstag, 11. Juni 2026: Südafrika

Getrunkene Weine:

2022 Viognier, The Foundry (Stellenbosch):
Pfirsich, später Aprikose, Kamille, Margerite und Jasmin. Die Säure steht Gewehr bei Fuss, der Abgang ist salzig wie kühler Meereswind.

2023 Chardonnay, La Brune Wines (Elgin):
Birne, Ananas, Zitrus. Frisch und würzig, Elgin ist klar erkennbar – und macht keinerlei Anstalten, sich zu wärmen. Saftig am Gaumen, mit feinem Grip und salzig-mineralischem Abgang. Chardonnay ohne Kuscheldecke.

2023 Saluez Le Saboteur, Luddite (Bot River):
Der Blanc Fumé steuert die grasigen Noten bei, Chenin Blanc und Viognier liefern Birnen und Aprikosen. Obendrauf etwas Ananas, ein Hauch Kamille und die passende Säure. Fertig ist der Stoff für warme Tage.

2020 Rall White, Rall (Coastal Region):
Mitreissender Weisswein mit mehr Spannung als alle Hitchcock-Filme zusammen. Meeresbrise, Zitrus, Birne und Lindenblüte – alles da, alles auf den Punkt. Die Säure präzise, der Körper zugänglich, aber komplex. Der Abgang so lang wie die Autobahn von Genf nach Zürich – nur ohne Stau, dafür mit Tempo.

2021 Chenin Blanc Maritime, Metzer (Stellenbosch):
Typische Honignoten, dazu Pfirsich, Zitrone und Apfel. Geprägt von salzigen Noten, die Säure hält einen wach, die Würze den Wein frisch und der Abgang noch lange die Stellung. Ein Wein mit Seewind in den Segeln.

2023 Grensloos Chenin Blanc, Badenhorst (Swartland):
Steinobst, Honig und florale Akzente, begleitet von feiner Reduktion. Mineralisch bis ins Mark, intensiv und mittelkräftig. Elegant, würzig und mit einem Finale, das sich nicht verabschiedet, sondern nachklingt.

2020 Pinot Noir, La Brune Wines (Elgin):
Erdbeerfrucht, Kirschen und kräutrige Würze, dazu etwas Laub – und wenn man das wegbläst, kommt Zimt zum Vorschein. Sauber und frisch, recht saftig, die Frucht dominiert bis übers recht lange Finale hinaus.

2018 Saboteur, Luddite (Bot River):
Rote Früchte, schwarze Beeren, Kräuterwürze, Rauchspeck und Grünschnitt. Im Glas herrscht kontrolliertes Chaos. Tabak und abgenutztes Leder mischen ebenfalls mit. Druckvoll und saftig am Gaumen, mit rauchigem, recht langem Abgang.

2021 Lötter Cinsault, Lukas van Loggerenberg (Franschhoek):
Eine ganze Palette roter Früchte: Kirsche, Cranberry, Erdbeere, dazu Veilchen, Rauchspeck und ein Hauch Stall. Ein wilder Cinsault-Bursche mit Dreck unter den Fingernägeln. Saftig, rustikal und herrlich ungebremst.

2020 Crescendo, Taaibosch Estate (Stellenbosch):
Durchsetzungsstarker Cabernet Franc, der seinem Namensbruder Cabernet Sauvignon und dem Merlot kaum Raum lässt. Kräuter, Unterholz, exotische Gewürze, Graphit, schwarze Früchte und ein Hauch Minze. Am Gaumen würzig, mit mittellangem Finale.

2020 Series C, Vilafonté (Paarl):
Ein ganzer Fliederbusch in der Nase, dazu Heidelbeeren, Kirschen, Kaffee, Tabak und Lakritz. Üppig, aber mit erstaunlicher Eleganz und Tiefe. Die Tannine perfekt eingebunden, der Abgang zieht sich elegant und sehr lange dahin.

2009 Vineyard Selection Cabernet Sauvignon, Kleine Zalze (Stellenbosch):
Lagerfeuer, Cassis, Tabak, Peperoni und eine Handvoll lehmiger Erde. Dann biegt plötzlich eine Blutorange um die Ecke, kurz darauf öffnet jemand einen Humidor. Würzig am Gaumen, mit erdigem, leicht grünem Abgang.

2000 Cabernet Sauvignon, Waterford Estate (Stellenbosch): 
Bordeaux? Denkste. Stellenbosch! Zedernholz, Tabak, Kaffee und immer noch genügend dunkle Frucht, um die Herkunft zu verschleiern. Rund und würzig am Gaumen, mit langem, leicht bitter-herbem Finale.

2000 Fusion V Director’s Reserve, De Toren Private Cellar (Stellenbosch):
Mehr Rauch als Schall, fast schon ein Buschbrand. Asphalt, Menthol, Zimt. Leder und Tabak melden sich ebenfalls zu Wort, als wollten sie klarstellen: Ich bin zwar gereift, aber noch lange nicht fürs Altglas. Der Abgang gerät etwas alkoholbetont.

2017 De Toren Z,  De Toren (Stellenbosch):
Rauchig, dunkelbeerig und würzig. Die Tannine kommen nicht durch die Tür, sondern durchs Fenster – zupackend wie ein Raubtier. Dahinter lauert ein von Süsse geprägtes, erstaunlich langes Finale.

Donnerstag, 4. Juni 2026: Serie Bordeaux – Pomerol

Getrunkene Weine:

2015 Riesling Am schwarzen Herrgott GG, Battenfeld Spanier (Rheinhessen, Deutschland):
Rauchig, petrolig, düster – wie ein Auftritt im Gothic-Kleid. Wäre da nicht dieser feine Pfirsich, der sämtliche Schwermut mühelos um den Finger wickelt. Am Gaumen kräftig und monolithisch, mit einer Säure, die sich anfühlt wie das erste Piercing: erst Schmerz, dann Stolz.

1993 Château Lagrange Pomerol:
Herrliche Nase von Tabak, Leder und Rauchfleisch. Am Gaumen – wenn man die paar grünen Nötchen grosszügig ausblendet – definitiv ein Runterschluckmuss. Wer hätte das gedacht.

2021 Château des Pèlerins:
Zuerst ein Duft irgendwo zwischen Stall und menschlicher Anstrengung. Danach ist man fast dankbar, wenn grüne Peperoni die Vorherrschaft übernehmen.  Spannend war’s – im weitesten Sinne.

2020 Château Maillet:
Modernes 15 %-Alkohol-Geschoss, Eleganz und Anmut offenbar zu Hause vergessen. Dafür Kokos, Blackcurrant und Tomatenmark in voller Lautstärke – klotzt statt kleckert und wirkt dabei, als würde es einem zuflüstern: ‚Ich bin ein Pomerol. Bitte mit Sie ansprechen.‘

2020 Enclos Tourmaline:
100 % Merlot auf eine winzige Hektare verteilt. Mit viel Geld wird hier versucht, Pétrus und Le Pin zu konkurrenzieren. Ultraüppig und geschliffen, aber alles andere als langweilig mit seinen Cassis-, Pflaumen-, Blumen-, Schokolade-, Tabak- und Zedernholzsalven. Etwas Zimt oben drauf, mit einem Abgang, der viel Druck entwickelt und ohne auch nur das kleinste Eckchen runterläuft – wie ein perfekt geöltes Luxusgerät, das keine Reibung mehr kennt.

1996 Château La Pointe:
Prächtig gereift, zeigt sich in klassisch gereiftem Pomerol-Stil: Trüffel, Würze, reife dunkle Früchte und eine ruhige, fast aristokratische Tiefe, die sich nicht erklären muss.

2015 Château La Pointe:
Waldbeeren, Zedernholz, leicht laktische Noten, opulent angerichtet, aber mit recht strenger Würze am Gaumen. Bleibt die Frage nach der Altersfähigkeit: wird er noch geschmeidiger – oder droht der Absturz?

2012 Latour à Pomerol:
Trüffel, Erde, Tabak, dunkle Beeren und Schokolade – Pomerol in seinem natürlichen Lebensraum. Saftig, mit hervorragender Konzentration, hält er seine 14,5 % Alkohol bis weit über den langen Abgang hinaus gekonnt unter Verschluss.

2009 Château La Croix Pomerol:
Reife dunkle Beerenfrucht, spanische Nüssli, Würze, Kaffee, dazu eine zarte Süsse – und so rund wie der Vollmond. Gleitet über den Gaumen, als hätte Reibung Hausverbot. Der Wein ist angekommen – jetzt ist der Geniesser dran.

2009 Château La Croix de Gay:
Süsse Textur, plüschig wie ein Edelsofa, blumig wie das Parfum einer Escort-Dame, mit Zitruszesten garniert und von Zedernholz untermauert. Irgendwie exotisch, endet er wie er beginnt: leicht süsslich und mit einem Hauch Schokolade.

2010 Château Petit-Village:
Saftige dunkle Waldbeeren, Pflaumen, Tabak, Rauchspeck und Lakritz. Am Gaumen dicht, vollmundig und finessenreich, mit langem, kräftigem Finale. Da steckt noch einiges an Zukunft drin.

2007 Château Clinet:
Leichter Muffton, Erde, Trüffel – auch nach Stunden in der Karaffe bleibt er eine zwielichtige Gestalt. Dahinter Blutorange und Kirschen. Am Gaumen saftig und ganz Pomerol. Wer noch Flaschen hat, sollte sie eher öffnen als bewundern.

1997 Vieux Château Certan:
Waldboden, Kiefernadeln, ein Hauch Blutorange, Tabak. Von Frucht ist ehrlich geschnüffelt nicht mehr viel vorhanden – macht nichts. Das ist Old School Bordeaux, kann nichts anderes sein. Die Frucht ist zwar längst in Rente, der Wein noch lange nicht.

1995 Château Conseillante:
Kaffee und Tabak, Walderde mit Pilzen, Umami, plötzlich leicht animalisch. Am Gaumen verführerisch, lakritzig und erstaunlich lebhaft, mit langem, leicht süsslichem Finale. Kein lauter Wein mehr – eher einer, der im Halbdunkel besser funktioniert als im Scheinwerferlicht.

Donnerstag, 28. Mai 2026: Barolo & Spezialitäten aus Ligurien

Getrunkene Weine:

2013 Riesling Trittenheimer Apotheke GG, Grans-Fassian: Diese Apotheke hat keine Öffnungszeiten – nur Nachhall. Steinobst, leicht mehliger Granny Smith, warmer Schiefer und eine Säure wie der Blick des Dorfapothekers kurz vor Ladenschluss.

2025 Vementino Etichetta Nera, Lunae: Melonenbonbon in der Nase und im Abgang, dazu Blumen, etwas Rauch – und salzig wie rasch weggewischte Freudentränen.

2021 Barolo, Mauro Molino: Erdbeeren, Kirschen, ein Hauch Tabak und Kräuter, die sich nicht verabschieden wollen. Am Gaumen überraschend leichtfüssig, bis die Würze wieder übernimmt und bis zum Schluss auf der Bühne bleibt.

2018 Barolo Villero, Sordo: Kirschen, Rosenblätter, Teer und Lakritz. Am Gaumen nicht im Gleichgewicht – der heisse 2018er Jahrgang blitzt kurz durch, bevor das Finale herb-bitter ausläuft.

2019 Barolo Castiglione, Vietti: Holz, Erde, Teer, Kirschen und Pflaumen – als würde jemand Barolo in Schichten erzählen. Am Gaumen engmaschige Tannine und feine Säure, alles noch ein bisschen ernst im Ton, bevor ein langes, leise mineralisches Finale das letzte Wort übernimmt.

2016 Barolo, Marengo: Mehr Dörrobst und Rumtopf, als einem lieb ist. Am Gaumen auszehrend und deutlich alkoholisch, mit wenig Interesse an Harmonie.

2015 Barolo Cannubi, Marchesi di Barolo: Dunkle Kirschen, rote Früchte, Karamell und Kokos – fast schon Dessertstimmung. Am Gaumen vollmundig und fruchtbetont, üppig, bis die deutlich präsente Säure dem Ganzen wieder eine ernstere Richtung gibt.

2012 Barolo Ravera, Cogno: Mehr Bratensauce und Liebstöckel als Ravera-Romantik. Tabak, Pilze – und ein brutal zehrendes Finale, das jede Idee eines zweiten Glases zuverlässig erledigt.

2010 Barolo Ornato, Pio Cesare: Dunkle Früchte, Teer, Cola, Rosen – Barolo mit geschniegelt glänzender Stirn. Am Gaumen konzentriert, die Säure etwas zu stark im Vordergrund, der ultralange Abgang deutlich von süssem Holz begleitet.

2010 Barolo Bussia, Parusso: Kaffee, schwarze Kirschenmarmelade, etwas Frangipani – kurz der Verdacht: Barossa Shiraz? Am Gaumen kräftig und intensiv, mit Schwarztee im langen Finale. Wild dekadent, aber erstaunlich knuddelig und trinkfreundlich.

1967 Barolo La Rosa, Fontanafredda: Fast 60-jährig und immer noch trinkbar: ein Hauch Maggi, Pilze, Tabak – dazu ein süssliches Finale, das man am liebsten einrahmen und übers Bett hängen würde.