Donnerstag, 27. August 2020: O Thurgau, du Heimat…

Getrunkene Weine:

Pinot Blanc 2017, Michael Burkhart, Weinfelden: Spontanvergärung im grossen Holzfass. Dezent Holz, feine Frische, weisse Früchte, leicht mineralisches, würziges Finale.

Bourgogne Blanc Champ Perrier 2015, Domaine Tessier (Frankreich, Burgund): Rund und füllig, etwas Vanille, Candyshop, Zitrus, harmonisch am Gaumen, wenngleich man sich ein Mü mehr Säure wünschte.

Hermitage Blanche 2016, Jean-Louis Chave Sélection (Rhône Nord, Frankreich): Ananas, Birne, zergehender Butter, Honig. Am Gaumen vollmundig und saftig, offen und mit langem Abgang.

Blauburgunder Ottoberg 2017 broger-dynamisch, Michael Broger, Weinfelden: Braucht viel Luft, um die stark reduktiven Noten in den Hintergrund verschwinden zu lassen und die fruchtigen Noten in den Vordergrund zu bringen. Schöne Mineralität, würzig, rotbeerige Frucht, saftig. Broger-dynamisch, wie man es kennt!

Burgunder Schloss Weinfelden 2015, Michael Burkhart, Weinfelden: Mein Lieblingspinot, schon bevor ich in den Thurgau zog… Gut integriertes Holz, feine rotbeerige Frucht, Rauch, Vanille. Sehr ausgewogen und mit seidenfeinem Tannin, fleischig und mit einem langen Finale.

Serie 2003er Weine – ein komischer Jahrgang mit zum Teil atypischen Weinen.

Corton Les Bressandes Grand Cru 2003, Prince Florent de Mérode (Burgund, Frankreich): Jetzt im Besitz von Romanée-Conti. Dekadent üppig, pinotuntypisch, schon fast wie ein Châteauneuf-du-Pape…

Châteauneuf-du-Pape Cuvée des Félix 2003, Bois de Boursan (Rhône Süd, Frankreich): Hier haben wir den Châteauneuf! Süsse Beerenfrucht, etwas Leder, Lakritz, Garrigue, Trüffel. Mundfüllend, reif, lang.

Château Musar Gaston Hochar 2003 (Libanon, Beekatal): Typisch Musar! Irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn. Leider bleibt das Geniale diesmal etwas auf der Strecke und der Wahnsinn lässt sich einfach nicht vertreiben… Auf gut Deutsch: zuviel alter Verband, zuwenig süsser Pferdeschweiss…

Valpolicella Superiore 2003, Dal Forno (Veneto, Italien): Dafür war der Dal Forno 03 noch nie so gut! Schwarze Früchte, schwarze Schokolade, Graphit, After Eight. Ein laktischlebendigüppiges Supervergnügen!

Vall Llach 2003, Celler Vall Llach (Priorat, Spanien): Sowas von erstaunlich, der hat sehr, sehr gut gehalten. Nobles Leder, sehr würzig, schwarze Früchte, fleischiger Gaumen, unglaublich lang.

Piaggia Carmignano Riserva 2003, Mauro Vanucci (Toskana, Italien): Hier hat der Zahn der Zeit etwas an der einst tollen Struktur genagt und Knorr-Suppenwürfelgeschmack hinterlassen. Zehrt zudem aus – hätte früher getrunken werden müssen.

Riesling Auslese*** Goldkapsel 2003, Erbes (Mosel, Deutschland): Richtig toll – keineswegs zu üppig! Wenig Petrol, deutlich erkennbar Botrytis, Grüntee, erstaunlich fein integrierte Säure – macht Spass!

Donnerstag, 20. August 2020: Südtirol!

Ein unvergesslicher Abend – vielen Dank Benjamin und Brigitte für die tollen Weine sowie die äusserst leckeren Speisen!

Getrunkene Weine:

Moscato Giallo Vigneti delle Dolomiti 2019, Franz Haas: Lychee, Grapefruit, Rosenhecke, am Gaumen trocken – fluffig leicht und genau richtig bei diesen hohen Temperaturen.

Petit Manseng Vigneti delle Dolomiti 2018, Franz Haas: Petit Manseng aus dem Südtirol! Vanille, Apfel, fesselnde Aromatik, cremig am Gaumen, mit guter Säure.

Pinot Bianco Riserva Vorberg 2012, Kellerei Terlan: Steinobstfrucht, aber auch Birne, Honig, Kräuter. Am Gaumen mineralisch, rund und breit – endet ganz leicht bitter.

Lafoa Chardonnay 2018, Kellerei Schreckbichl: Vanille, Röstaromen, tropische Früchte wie Mango, fast überreife Melone, geröstete Nüsse. Am Gaumen opulent, aber nicht plump, langes Finale.

Chardonnay Sant Valentin 2018, St. Michael-Eppan: Sehr üppige Nase, aber äusserst facettenreich. Ein ganzer Korb an Fruchtaromen, Honig; am Gaumen zwar intensiv, aber nicht mehr so vielfältig wie in der Nase. Endet mittellang mit einer klitzekleinen Bitternote.

Appius 2015, St. Michael-Eppan: Chardonnay, Sauvignon Blanc, Pinot Grigio und Pinot Bianco. Kurz: ein Erlebnis! Brillant zurückhaltend, aber immer wieder mit neuen Duftnoten auftrumpfend, am Gaumen seidig, aristokratisch – umwerfend schön! Nochmals herzlichen Dank, liebe Brigitte und lieber Benjamin, für diesen tollen Wein!

Dolomytos Vino Bianco 2015, Ansitz Dolomytos: Amphorenwein von einem griechischstämmigen Weinbau-Professor in Bozen. Apfel im Schlafrock, Blutorangen, leicht oxidativ, erdig. Gelungenes Amphorenexperiment!

Vernatsch CAL IGT 2014, Pranzegg, Martin Gojer: Biodynamischer Betrieb. IGT, da zu untypisch, um die DOC-Prüfung zu bestehen. Minimalst geschwefelt, weder geschönt noch gefiltert. Herausfordernde Nase – na und? Fernab jeglicher Langeweile. Reduktiv, rotfruchtige Aromatik, würzig, Boden. Am Gaumen fleischig, frisch, mineralisch. Auch wenn man diese Art Wein nicht mag – wer die Geruchsrezeptoren einfach auf Durchzug setzt, verpasst so einiges. Danke, Beni, für deinen Mut, uns diesen Wein zu zeigen!

Mason di Mason Pinot Nero 2013, Manincor: Einer der ersten biodynamischen Anbauer im Südtirol. Gregorianische Choralklänge berieseln den Barriquekeller. Wir sind irgendwie noch vom Vernatsch geschockt, trinken den Pinot, finden ihn pinotuntypisch mit seinem süsslichen Mandelgebäckduft, erheben das Glas und wollen was Neues.

Trattmann Pinot Noir Riserva 2014, Girlan: Rote Frucht, würzig, Efeuspuren, Waldboden, am Gaumen leicht grün und auszehrend. Jahrgang?

Taber Lagrein Riserva 2010, Kellerei St. Magdalena: Holunder, Brombeeren, Schwarztee, Tabak, ätherische Oele. Am Gaumen auf der schmeichlerisch weichen Seide – äh Seite. Im langen Abgang nochmals süssliche Gewürze und Pfeifentabak.

Cabernet Riserva 2013, Alois Lageder: Leider Kork!

Rosenmuskateller Steinacker 2005, Weingut A.V. Elzenbaum: Rosenhecke, dahinter etwas irritierend chemische Noten.

Rosenmuskateller 2019, Franz Haas: Mit Haas begonnen, mit Haas geendet. Rosen hier, Rosen dort – wir trinken einen Schluck, dann sind wir fort – etwa dort, wo sich Fuchs und Haas gute Nacht sagen…